Zusammenfassung der Rede von Michael Adam, Bürgermeister von Bodenmais
Ein Highlight des ersten Kongresstags entsprang ursprünglich einer Notlage: Der zuerst vorgesehene Bürgermeister von Nantes, gleichzeitig Vorsitzender der sozialistischen Abgeordneten in der französischen Nationalversammlung, Jean- Marc Ayrault, sagte wenige Wochen vor dem Kongress wegen innerparteilicher Turbulenzen ab. Zum Glück fand sich Michael Adam, am 2. März 2008 23-jährig zum Bürgermeister der niederbayerischen Gemeinde Bodenmais gewählt und inzwischen jüngster amtierender Bürgermeister Deutschlands, bereit, darüber zu reden, „was Bürgermeister werden mit Bürgerkommune zu tun hat“.
Der sympathische Adam hatte zuvor mit seinem Koffer auf dem Flughafen auch sein Redemanuskript verloren und hielt diese frei vor den über 200 Teilnehmern/ innen. Er beschrieb einprägsam, wie es die CSU meisterhaft versteht, den vorpolitischen Raum aus Vereinen und anderen dörflichen Aktivitäten, von der Kirchengemeinde bis zum Schützenfest, zu dominieren. Erfolg könne daher nur haben, wer gezielt und nachhaltig versuche, der CSU diese Dominanz streitig zu machen.
Als direkte Gründe für seinen Wahlsieg als Juso und Politikstudent über den CSU-Amtsinhaber in einer konservativen Gemeinde nannte er folgende: 1. eine wachsende Unzufriedenheit mit dem zunehmend selbstgefälligen, beratungsresistenten Amtsinhaber, zu dem er als Kandidat eine glaubwürdige Alternative anbieten konnte; 2. ein langfristiges Hineinwirken in den oben genannten vorpolitischen Raum („unter den rund 30 Vereinen in Bodenmais gibt es außer dem Frauenbund wohl keinen, dem ich nicht aktiv angehöre“); 3. eine langfristig angelegte Wahlkampagne („da muss man zwei, drei Jahre vorher anfangen und nicht erst sechs Wochen vor einer Wahl. Vor allem muss man dabei bleiben, zuhören und bescheiden sein und an der richtigen Stelle auch mal mithelfen“) sowie 4. ein offener Umgang mit Handicaps („Sozi, evangelisch, schwul – das war nicht eben der Mainstream vor Ort. Das muss man offen ansprechen, ohne sich damit wichtig zu tun, dann stört es auch keinen. Und so war es auch bei mir: Am Ende hat die CSU noch versucht, das hochzuziehen, aber dabei kam gar nichts für sie heraus.“).
Die Stammtische ernst nehmen
Adam schilderte (Alt-)Bayern als relativ homogene, gewachsene politische Kultur mit konservativ- katholischen, aber auch bäuerlich- freiheitlichen Traditionen mit einem vielfältigen politischen Vorfeld. Hier gälte es, sich gezielt einzubringen, in die Vereine zu gehen, zu erfahren, „wo die Leute der Schuh drückt“, die Stammtische ernst nehmen („was nicht heißt, alle ihre Ansichten zu übernehmen“).
Im Wahlkampf sei er gut damit gefahren, kein Wort über den Mitbewerber zu verlieren und eigenständig zu agieren. Er sei sechs Monate vor der Wahl nominiert worden („die Genossen haben ins Protokoll geschrieben: Lasst ihn mal machen, der hat ohnehin keine Chance“), habe mit den Bürgerinnen und Bürgern ein 30-seitiges Wahlprogramm entwickelt („die CSU war erstaunt: So etwas haben wir noch nie gebraucht“), das viel gelesen und diskutiert worden sei.
Dann habe er („anfangs mit einigem Fracksausen“) rd. 500 Hausbesuche unternommen und sei in 98 Prozent der Fälle ins Haus gebeten worden. Über seine Homepage habe er angeboten, als Kandidat mit selbst gebackenem Kuchen ins Haus zu kommen, dies sei 50-mal genutzt worden. Wichtig seien Zielgruppenarbeit, so Adam, und vor allem der Verzicht auf Negativwahlkampf – der habe sich für den Amtsinhaber als Bumerang erwiesen. Mit Offenheit und Ehrlichkeit fährt man am Besten, so Adam, der den versammelten Kommunalen mit auf den Weg gab, die jungen Leute mehr und langfristiger zu fördern und gezielt in den vorpolitischen Raum einzusteigen.
Viel Beifall dankte dem jungen Bürgermeister für seinen klaren, überzeugenden Auftritt. Ein echtes Naturtalent, wurde geraunt und mancher OB steckte Adam seine Karte zu und versprach, ihm zu helfen, wann immer er es gebrauchen könne. Nach diesem Auftritt ist zu hoffen und zu vermuten, dass dies eine Weile dauern wird.