Broschüre des Städtetags

Tipps für die Integration

Carl-Friedrich Höck09. November 2016
Eva Lohse und Ulrich Maly
Städtetags-Präsidentin Eva Lohse und ihr Stellvertreter Ulrich Maly (Archivbild)
Wie kann die Integration der Flüchtlinge vor Ort gelingen? Antworten gibt eine neue Broschüre des Deutschen Städtetags. Dessen Vorstand nennt aber auch Bedingungen.

„Integration wird kein gemütlicher Spaziergang, sondern eine lange Wanderung, die auch Kraft kostet“, sagt Eva Lohse, die Präsidentin des Deutschen Städtetags. Schließlich sei die Zahl derer, die vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland geflohen sind und hier zunächst bleiben werden, groß. „Aber wir haben als Städte ein Ziel vor Augen: Wir wollen eine erfolgreiche Integration“, stellt Lohse klar.

Empfehlungen für die Praxis

In vielen Städten sind bereits gute Ansätze und Projekte erprobt worden. Viele Erfahrungen aus der kommunalen Praxis sind nun in eine 75-seitige Broschüre eingeflossen, die der Städtetag auf seiner Internetseite kostenlos zum Download bereitstellt. Der Verband will damit Empfehlungen für andere Kommunen geben.

Außerdem listet die Broschüre auf, welche Themenfelder jetzt angepackt werden müssen: etwa der Spracherwerb,  Bildung und Ausbildung, Wohnraum oder gesellschaftliche Integration. Eigene Kapitel sind auch der Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge oder dem ehrenamtlichen Engagement gewidmet.

Nicht genügend Integrationskurse

Wichtig sei es, denn anerkannten Flüchtlingen eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen, sagt Ulrich Maly, Städtetags-Vizepräsident und Oberbürgermeister von Nürnberg. Dazu sei es unverzichtbar, dass die Asylbewerber schnell die deutsche Sprache lernen. „Zudem muss der Engpass bei den Integrationskursen schnellstmöglich beseitigt werden.“ Lange Wartezeiten für Berechtigte seien kontraproduktiv, bemängelt Maly.

Das ist aus Sicht des Städtetags nicht die einzige Baustelle. „Wir brauchen zusätzliche Plätze in Kitas und Schulen, wir brauchen mehr Schulpsychologen, Dolmetscher, Sozialpädagogen. Und in Kitas fehlen vielfach noch Sprachförderprogramme“, sagt Eva Lohse.

Städtetag fordert: Geld muss in den Kommunen ankommen

Das wiederum ist auch eine Frage des Geldes. „Es ist gut, dass sich Bund und Länder im Sommer endlich über die Finanzierung der Integration verständigt haben“, lobt Lohse. Eine erhebliche Summe davon müsse jetzt allerdings auch dort ankommen, wo die Integrationsarbeit vorrangig stattfinde, also in den Kommunen. Die Länder sollten ihren Kommunen deshalb zügig einen angemessenen Teil der zwei Milliarden Euro weitergeben, die der Bund ihnen bis 2018 als jährliche Integrationspauschale bereitstellt. Zudem werde auch eigenes Geld der Länder für die Integration in den Kommunen nötig sein. Darüber hinaus müssten die zugesagten Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau schnell eingesetzt und von den Ländern aufgestockt werden.

Integrationsbroschüre des Deutschen Städtetages

Die Broschüre „Flüchtlinge vor Ort in die Gesellschaft integrieren. Anforderungen für Kommunen und Lösungsansätze” kann kostenfrei auf der Internetseite des Deutschen Städtetags heruntergeladen werden. Hier geht es zum PDF-Download.

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