Bericht zum Forum „Zukunft sichern vor Ort“
Die Probleme und Herausforderungen durch den demografischen Wandel besonders im Hinblick auf die Bildung auf allen Ebenen standen im Mittelpunkt des Forum 1 „Zukunft sichern vor Ort“ am zweiten Tag des 2. Demo-Kommunalkongresses 2007 „Kommunalpolitik besser machen“ in Berlin. „Bildung ist Zukunftsaufgabe und die große soziale Aufgabe unserer Zeit“, umriss Impulsgeberin Ute Erdsiek- Rave, Ministerin für Bildung und Frauen sowie stellvertretende Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, das Thema. Die Bevölkerung in der Bundesrepublik werde zunehmend weniger, älter und bunter bis zum Jahr 2050, wenn es „nur“ noch rund 70 Millionen Deutsche geben wird. Der deutlich sichtbare Rückgang wird für die Zeit ab 2013 vorhergesagt; ab 2020 wird die Bevölkerung nicht nur älter sein, sondern auch noch kräftig schrumpfen. Somit wird die Schere zwischen alt und jung künftig immer mehr auseinanderklaffen.
Das wirkt sich natürlich auch auf die Schülerzahlen und damit auf die Bildungssituation in Deutschland aus. In Schleswig- Holstein wird die Zahl der Kinder, die eingeschult werden, bis 2020 ca. um ein Fünftel zurückgehen. Danach werden es bis zu 30 Prozent sein. Im Schulbereich sind vor allem die Hauptschulen betroffen, die nach Angaben von Erdsiek-Rave im nördlichsten Bundesland abgeschafft werden. „Damit leisten wir den Bedürfnissen der Eltern Folge, die ein umfassendes Schulangebot wie z.B. die Gemeinschaftsschule stark nachfragen“, sagte sie vor rund 60 engagierten Forumsteilnehmern im dbb forum berlin. Auch das längere und gemeinsame Lernen bis zur zehnten Klasse werde gefordert.
Mangel an Fachkräften durch demografischen Wandel
Der demografische Wandel kann u.a. angesichts der angespannten Haushaltslage der Kommunen zu einem absehbaren Mangel an Fachkräften und einer hohen Zahl von sog. Bildungsverlierern führen. Vorausschauende Schulplanung, Vernetzung und Zusammenarbeit sind daher Stichworte, mit denen sich Kommunen auf dem Weg zu einer Bildungsregion, wie es sie bereits in Flensburg, Göttingen oder Herford gibt, machen, beschäftigen müssen. Dabei sollte auch die Bildungschance für jeden Einzelnen im Fokus stehen, bietet sie doch einen wesentlichen Ausgangspunkt für einen sozialen Aufstieg.
Die Veränderung der Bevölkerungsstrukturen in Deutschland wirkt sich nach Auffassung von Carsten Große Starmann, Projektmanager „Demografischer Wandel“ bei der Bertelsmann Stiftung, auf nahezu fast alle kommunalen Handlungsfelder aus. Daher sind eine Verzahnung und eine Transparenz der betroffenen Ressorts wichtig. Von der frühkindlichen bis hin zur lebenslangen Bildung ist es erforderlich, aktiv zu werden und sich verantwortlich zu fühlen. „Wir sollten mehr in Lernverbünden denken und in der Region zusammen mit der Wirtschaft arbeiten“, setzte sich Große Starmann für eine konzertierte Aktion in Sachen Bildung ein.
Den demografischen Wandel als Chance begreifen
Dass man den demografischen Wandel durchaus auch als Chance begreifen kann, zeigen die Aktivitäten der Stadt Bielefeld. Sie haben nicht nur eine Demografiebeauftragte, Susanne Tatjen, eingesetzt, sondern bereits im Jahr 2006 im Rat der Stadt ihr Konzept „Demografischer Wandel als Chance“ verabschiedet.
Zu den vorgeschlagenen Zielen und Handlungsschwerpunkten für Bielefeld mit zurzeit noch ca. 320 000 Einwohnern gehören u.a. die Förderung von Integration, zukunftsfähiges Wohnen, lebenslanges Lernen und eine zukunftsfähige Bildung und Qualifizierung. Außerdem wollen sie die familienfreundlichste Stadt in Nordrhein-Westfalen werden. „Wir begreifen die Entwicklung einer demografieorientierten Kommunalpolitik als Querschnittaufgabe“, stellte Tatjen auf dem Kongress fest.
Der Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebunds und Bürgermeister von Bergkamen, Roland Schäfer, vertritt für seine Stadt einen pragmatischen Ansatz und plädiert für eine aktive Familienpolitik im Hinblick auf Unterstützung von jungen Familien. Auf Grund verringerter Anmeldungen wurden in Bergkamen die drei vorhandenen Hauptschulen zu zwei Schulen zusammengelegt. Eine von neun Grundschulen wird in Zukunft geschlossen werden müssen.