Neuer Hafen Kiel-Canal
Alle Zeichen stehen auf AufschwungDer Nord-Ostsee-Kanal ist die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. In Rendsburg kreuzt er die A7, dort ist er an das internationale Schienennetz angeschlossen. Der Weg bis zum Flughafen in Hamburg nimmt lediglich eine Stunde in Anspruch. Kurzum: Die Kreisstadt Rendsburg (Kreis Rendsburg-Eckernförde) kann mit einer hervorragenden Infrastruktur aufwarten.
Hohe Sozialkosten belasten städtische Finanzen
Über 70 000 Menschen leben in der Region Rendsburg. Hier ist das Umland größer als die Kernstadt selbst. In Schleswig-Holstein findet man das kein zweites Mal. Die Hilfebedürftigen zieht es in die Stadt, der Wohlstand bevorzugt den Speckgürtel. Aufgrund dieser Stadt-Umland-Problematik verzeichnet Rendsburg eine hohe Sozialhilfedichte. Über 4 000 Einwohner erhalten Leistungen – ohne Arbeitslosengeld I und Wohngeld – nach dem SGB II. Jeder Fünfte bezieht Hartz- IV-Leistungen oder ist erwerbsunfähig. Bei den unter 15-Jährigen ist es noch dramatischer: 35 Prozent leben von Hartz IV. Rund 42Prozent aller Ausländer und 57 Prozent aller ausländischen Kinder erhalten Hartz IV.
Arbeitsplätze schaffen, Ausgleich suchen
Die Stadt begegnet dieser „sozialen Schieflage“ mit Bildungsinvestitionen. Kitas, Krippen und Schulen nehmen neben den Sozialausgaben den Schwerpunkt ein. Doch das kostet viel Geld.
Einnahmequellen sind die Gewerbe- und der Anteil an der Einkommensteuer. Ansiedlungen von Gewerbebetrieben und mehr Arbeitsplätze sollen die wirtschaftliche Situation verbessern. Um unsere Infrastruktur erhalten und Transferleistungen bezahlen zu können, brauchen wir vor allem drei Dinge in unserer Region: Arbeit, Arbeit Arbeit.
Da der Stadtentwicklung wegen der „Insellage“ Grenzen gesetzt sind, ist interkommunale Zusammenarbeit unverzichtbar. Mit der Bildung einer gemeinsamen Gebietsentwicklungsplanung (GEP) von 13 Kommunen hat die Region Rendsburg ein Instrument zum Stadt-Umland-Ausgleich geschaffen. Aus einem Strukturfonds werden regionale Leitprojekte finanziert. Diese kommen vorrangig Rendsburg zugute. Die Region Rendsburg ist damit bundesweit Vorreiterin.
Neuer Hafen und Gründerstimmung
Es gibt verschiedene Gründe, die Rendsburg für die Unternehmen attraktiv machen: Preiswerte Industrie- und Gewerbegrundstücke, qualifizierte Arbeitskräfte, vergleichsweise niedrige Arbeitskosten, hoher Freizeitwert und das kulturelle Angebot.
Eine Schlüsselrolle kommt dennoch der Wirtschaftsförderung zu, die beispielsweise durch kurze Baugenehmigungsverfahren bei Ansiedlungs- und Erweiterungsprojekten hilft. Für seine innovativen Ideen zur Unterstützung von Existenzgründungen wurde Rendsburg 2003 vom Bundeswirtschaftsministerium als „Gründerfreundliche Kommune“ ausgezeichnet.
Zukünftig spielt die Musik am Neuen Hafen Kiel-Canal, dem einzigen Schwerlasthafen Schleswig-Holsteins. Dieser ist ein Gemeinschaftsprojekt von Osterrönfeld, Kreis und Stadt und bietet ideale Bedingungen für Unternehmen. Mit diesem Hafengebiet wird Rendsburg erstmals vom Nord-Ostsee-Kanal und seinem Warentransport unmittelbar profitieren.
So etwa mit dem Cluster „Regenerative Energien, Ernährung und Landwirtschaft“. Dort haben unter anderem der Windenergieanlagenhersteller REpower und die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ihren Sitz. Außerdem mit dem Hafen verbunden ist ein 80 ha umfassendes Gewerbegebiet, das für Zulieferer von Windenergieanlagen, Hersteller von schweren Maschinen und auf Containerumschlag spezialisierte Logistikunternehmen ausgerichtet ist.
Neben dieser Entwicklung im Süden der Stadt gibt es weitere Pläne: Das Interkommunale Gewerbegebiet Borgstedtfelde im Norden der Stadt soll schwerpunktmäßig der Ansiedlung von Logistikbetrieben dienen. Die überörtliche gewerbliche Entwicklung des Lebens- und Wirtschaftsraumes Rendsburg soll sich künftig auf diese beiden Standorte konzentrieren. Die Region erwartet, dass in diesem Gebiet mittel- und langfristig moderne und zukunftsorientierte Arbeitsplätze entstehen werden.
Rendsburg wird den gewaltigen Herausforderungen der Zukunft nur erfolgreich begegnen, wenn die wirtschaftliche Entwicklung Fahrt aufnimmt. Die Weichen dafür sind gestellt. Fehlt nur noch eins: Dass der Aufschwung jetzt auch bei uns ankommt.
Andreas Breitner
Bürgermeister von Rendsburg