Das OB-Duell in der Domstadt
Dauerläufer gegen KarnevalsjeckBevor man in solchen Runden in Depression verfällt, kommt das Thema Köln auf den Tisch. Dort trauen viele dem frisch gekürten Kandidaten Jürgen Roters zu, gegen den christdemokratischen Amtsinhaber Fritz Schramma zu gewinnen. Der gilt in der Domstadt zwar als netter Kerl und als ausgewiesener Fan des geliebten FC, muss aber ständig mit Querschüssen aus der tief zerstrittenen CDU rechnen. Die Kölner Sozialdemokraten haben mit Roters an der Spitze allerdings etwas geschafft, was der Partei im Ruhrgebiet nicht gelungen ist: eine Verständigung mit den Grünen zu erzielen und die Alternativen zu bewegen, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen.
Allein das ist viel wert. Die schwarz-gelbe Koalition hat auf Landesebene das Kommunalwahlgesetz so geändert, dass es jeder Opposition schwer fällt, gegen einen Amtsinhaber zu bestehen. CDU und FDP haben den bislang notwendigen zweiten Wahlgang abgeschafft, in dem die beiden Erstplatzierten früher durch einen Stichentscheid gegeneinander antreten mussten – im Sommer 2009 reicht die einfache Mehrheit, um Oberbürgermeister einer Metropole wie der Millionenstadt Köln zu werden. Da die Liberalen dort zum Beispiel mit Ralph Sterck als Spitzenkandidaten antreten, fehlen dem Christdemokraten Fritz Schramma nicht wenige Stimmen aus dem bürgerlichen Lager und steigen die Chancen für Jürgen Roters, weil er mit rot-grüner Unterstützung rechnen kann.
Entschieden ist das Duell allerdings noch nicht. Schramma läuft regelmäßig zu Hochform auf, wenn er in kölscher Mundart über die Befindlichkeit der Stadt plaudert und damit beweist, dass der Karneval am Aschermittwoch noch längst nicht vorbei ist. Außerdem hat er kürzlich öffentlichkeitswirksam gepunktet, weil er sich an die Spitze eines breiten Bürgerbündnisses gegen die Rechten gestellt hat. „Wir sind eine weltoffene Stadt“, hat er Zehntausenden zugerufen, die gemeinsam verhindert haben, dass die rechte Gruppe um Pro Köln einen europäischen Kongress mit braunen Gesinnungsgenossen aus ganz Europa im Schatten des Doms abhalten konnte. Für dieses Bekenntnis hat er den Beifall der ganzen Stadt bekommen.
Etwas schwieriger ist da schon sein Einsatz für den Neubau der Moschee im Stadtteil Ehrenfeld; seine eigene Partei ist ihm bei diesem Thema nicht gefolgt und hat mit den Rechten von Pro Köln gegen das Bauwerk gestimmt. Ähnlich unübersichtlich ist die Gemengelage beim ebenfalls in der Stadt umstrittenen Neubau des jüdischen Museums vor dem historischen Rathaus, da geht ein Riss quer durch die CDU und Schramma kann nicht auf die Unterstützung seiner konservativen Freunde setzen. Der eine oder andere Flügelmann der seit Jahren zerstrittenen CDU nimmt bei solchen Auseinandersetzungen wenig Rücksicht auf den eigenen Mann an der Spitze.
Jürgen Roters geht mit anderen Voraussetzungen in die Auseinandersetzung. Die SPD hat sich nach dem tiefen Fall wegen der Spendenaffäre neu erfunden und den personellen Neuanfang mit einem Generationswechsel glaubwürdig geschafft. Das Duo um Parteichef Jochen Ott und den Fraktionsvorsitzenden Martin Börschel hat die Partei wieder geeint und zum Beispiel die Absprache mit den in der Domstadt ebenfalls nicht ganz handzahmen Grünen geschafft. Die haben sich für Jürgen Roters ausgesprochen und wollen jenen Mann unterstützen, der auf mindestens zwei Kölner Titel mit einem „Ex-“ verweisen kann: Roters war lange Jahre Polizeipräsident in der Domstadt, anschließend Regierungspräsident. Obwohl die Kölner Seele nur selten ihren Frieden mit den Oberen schließt und sich sowohl Polizei- wie Regierungspräsidenten schnell deren Zorn zuziehen können, ist Roters in all den Jahren das Kunststück gelungen, als Fachmann für Verwaltung zu bestehen und gleichermaßen politisch ernst genommen zu werden. Er hat zum Beispiel die Probleme mit der offenen Drogen- szene am Neumarkt gelöst und nicht auf schlichte Verdrängung, sondern auf Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden gesetzt.
Als Politiker kann er noch lernen, geben selbst die eigenen Parteifreunde zu, weil populistische Zuspitzungen nicht seine Sache sind. Aber am Ende könnte das gegen den leutseligen Fritz Schramma auch ein Vorteil sein, denn dem gelingt nicht immer alles, was er ankündigt. Die notwendige Hartnäckigkeit hat Jürgen Roters auf jeden Fall: als Dauerläufer, der jeden Morgen etliche Kilometer braucht, um richtig warm zu werden, ist er eher das Gegenmodell.
Jürgen Zurheide
Roters war 1988-1994 PR und Büroleiter von NRW-Innenminister Herbert Schnoor, 1994-1998 Polizei- und 1998-2005 Regierungspräsident in Köln,
info@juergen-roters.de, www.juergen-roters.de