Bis auf Ludwigshafen werden alle Großstädte in Rheinland-Pfalz von sozialdemokratischen Oberbürgermeistern regiert. Die Chancen stehen gut, dass dies auch nach der Oberbürgermeisterwahl in Koblenz am 27. September so sein wird. Dort tritt Amtsinhaber Eberhard Schulte-Wissermann (SPD) aus Altergründen nicht mehr an. Für die CDU kandidiert Peter Labonte, derzeit OB der Koblenzer Nachbarstadt Lahnstein.
Angesichts der Rivalität der beiden Städte gleicht der angestrebte Wechsel dem von Schalke nach Dortmund. Der sozialdemokratische Kandidat Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, seit 18 Jahren Staatsekretär in der rheinland-pfälzischen Landesregierung und dort für Bildung und Kultur zuständig, tritt als Einzelbewerber an, um damit den Anspruch einer überparteilichen Amtsführung zu unterstreichen.
Seit zehn Jahren in Koblenz
Der Politikwissenschaftler Hofmann-Göttig ist 58 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Töchter und wohnt seit zehn Jahren in Koblenz. In der Tat wird seine Bewerbung von vielen Gruppen aus der Bevölkerung unterstützt – bis hinein in das Lager der Handwerkerschaft und Teilen der CDU. So gibt es bei der Wahl auch keine weiteren Bewerber, obwohl CDU und SPD bei der Kommunalwahl im Juni deutlich Federn lassen mussten.
Vor allem die Pläne zur Bebauung des Koblenzer Zentralplatzes waren in der Bevölkerung teilweise auf Widerstand gestoßen. FDP, Grüne und eine Bürgerliste hatten auf dieses Pferd gesetzt, obwohl die Stadt bereits rechtlich gebunden ist. Im Stadtrat stellt die SPD derzeit 14 von 58 Sitzen, die CDU 19, die weiteren verteilen sich auf FDP, Grüne, zwei freie Wählergruppen und die Linke. Über künftige Mehrheitsbildungen wird wohl erst nach der OB-Wahl entschieden.
Solide Finanzen, hohe Lebensqualität
In den letzten Jahren hat Koblenz eine positive Entwicklung genommen. Die Finanzen der Stadt sind sehr solide, mit den Schwerpunkten IT, Gesundheit und Tourismus ist die klassische Beamten- und Soldatenstadt für die Zukunft gut aufgestellt. Die Lebensqualität in der Stadt, wo Mosel und Rhein am Deutschen Eck zusammenfließen, ist hoch – auch ein Verdienst des bisherigen OB Schulte-Wissermann. Der Jurist und Ökonom lag 1994 nur mit 28 Stimmen vorn, 2002 erhielt er dann 57,7 Prozent. Ein deutlicher Vertauensbeweis.
Sogar der TuS Koblenz hält sich seit Jahren in der zweiten Fußballbundesliga und konnte dort davon träumen, dem Traditionsclub aus Kaiserslautern den Rang abzulaufen. Die Idee eines neuen Fußballstadions, die lange und kontrovers in der Stadt geführt wurde, wird von Hofmann-Göttig unterstützt, sofern eine private Finanzierung gewährleistet ist. Weitere Schwerpunkte im Programm von Hofmann-Göttig sind Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen, die Stärkung von Koblenz als Bildungsstandort (Schulen und Universität), eine sparsame Haushaltsführung und natürlich die Bundesgartenschau, die 2011 in Koblenz stattfinden wird und als große Chance für die wirtschaftliche, kulturelle und städtebauliche Entwicklung angesehen wird.
Inhalte und eigener Politikstil
Neben den Inhalten setzt der SPD-Mann vor allem auf einen eigenen Politikstil. Mit dem Slogan „Koblenz gemeinsam nach vorn“ wirbt er dafür, „Willen und Fähigkeit zur Gemeinsamkeit in den Mittelpunkt zu stellen“. Als Schlüsseleigenschaften dafür nennt der Kandidat „Offenheit, Transparenz, Bürgerbeteiligung und vor allem Glaubwürdigkeit. Ich verspreche nur, was ich halten kann. Das gilt vor allem für die Finanz- und Personalpolitik.“
Als Mensch kommt der Staatssekretär sympathisch rüber. Weggefährten wie die Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Marion Lipinski-Naumann, loben seine Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit ebenso wie die große Erfahrung und die guten Kontakte zur Landesregierung, die für Koblenz wichtig seien. Für sie ist der Kandidat ein Glücksfall für Koblenz. Offen präsentiert sich Joachim Hofmann-Göttig auch auf seiner Homepage.
Internettagebuch eines Wahlkämpfers
Die Seite ist für einen Kandidaten vorbildlich gestaltet und bietet neben den wichtigen Inhalten auch viele persönliche Einblicke und ein detailliertes Tagebuch des Wahlkämpfers. Bis Ende August hatte die Seite sensationelle 40 000 Besucher. Im Vergleich mit dem politischen Wettbewerber verweisen viele auf die weitaus größere Erfahrung des SPD-Manns im Umgang mit Personal, mit Geld und auch mit politischen Themen und Herausforderungen.
Entsprechend groß sind die Hoffnungen der SPD auf den Wahlausgang. Nach den nicht immer einfachen letzten Jahren, in denen sich die SPD in Koblenz zuweilen mit internen Auseinandersetzungen selbst das Leben schwer machte, ist die Stimmung jetzt bestens. Und nicht zuletzt wäre ein Sieg in Koblenz auch ein wichtiges Signal für die Landtagswahl 2011 in Rheinland-Pfalz. Dafür lässt Kurt Beck einen langjährigen Weggefährten gerne ziehen.
www.hofmanngoettig.de,
www.spd-koblenz.de