Die Megathemen Energieeffizienz und -einsparen bieten Stadtwerken Chancen
Energie sparen mit StadtwerkenFür die kommunalen Stadtwerke, die ihre Kunden ohnehin mit Energie beliefern, eröffnet sich hier ein interessantes Geschäftsfeld. Stephan Weil, OB von Hannover und Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), spricht bereits von einem Megathema für die kommunalen Versorger: „Mehr als ein Jahr nach den Meseberger Beschlüssen ist klar, dass Energieeffizienz zu einer Daueraufgabe für die Verbraucher und auch für die Energieversorger geworden ist. Die Nachfrage nach Beratungsleistungen sowie Produkten und Dienstleistungen, die den Energieverbrauch vermindern, wird stark zunehmen.“ Innovative Lösungen seien gefragt, so Weil, für die die Stadtwerke mit ihrer Kundennähe und ihrem Know-how geradezu prädestiniert seien.
Eine Studie zur Energieeffizienz als Geschäftsfeld für Stadtwerke im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung im VKU (ASEW) vom April dieses Jahres stützt diese These. Sie kommt zum Ergebnis, dass sich die Vorgaben von EU und Bundesregierung in Sachen Endenergieeinsparung vor allem mit Hilfe intensiver „Beratungs- und Unterstützungsaktivitäten über kommunale Effizienzenergiedienstleistungsunternehmen erreichen lassen“. Ein Prozent Endenergieeinsparung pro Jahr sei möglich. Natürlich stellt sich dabei die Frage, wer Energieberatungen u.a. Maßnahmen bezahlt. Die ASEW-Studie schlägt Umlagen auf die Netzentgelte oder einen nationalen Energieeffizienz- Fonds vor. Auch die zu beratenden Personen müssten sich an den Kosten beteiligen.
Der Verkauf wird durch eine Diesntleistung ersetzt
Etwas widersprüchlich scheint, dass gerade Stadtwerke ihren Kunden zu weniger Verbrauch verhelfen sollen, schließlich verdienen sie ja als Lieferanten am Stromverbrauch. VKU-Präsident Weil sieht keinen Widerspruch. „Wir ersetzen den Verkauf eines Produkts durch eine neue Dienstleistung, für die der Kunde auch bereit ist, Geld zu zahlen, da er unter dem Strich sein Budget entlastet. Das ist eine Winwin- Situation.“ Das Angebot von Effizienzdienstleistungen und die Nutzung regenerativer Energiequellen seien Wachstumsbereiche. „Den Stadtwerken muss es gelingen, daraus auch wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen.“
Dabei sind viele Stadtwerke aktiv: So leihen z.B. die Stadtwerke Herne Messgeräte aus und machen auf Wunsch Thermobilder von Gebäuden, die Stadtwerke Karlsruhe liefern im Rahmen ihrer Initiative „Energie 2010 – Wärme mit Zukunft“ kostenlos Energiesparlampensets, fördern Mini-Blockheizkraftwerke und Wärmepumpen, bauen die Fernwärme aus und machen Erdgas- Solarenergie-Kombiangebote.
Auch Andreas Brinkmann, Vertriebsleiter bei den Stadtwerken Wuppertal (WSW), hält das Geschäft mit Energieeffizienzdienstleistungen für einen wachsenden Markt. Die Wuppertaler Stadtwerke bieten seit zehn Jahren ein sog. Energie-Contracting für Privat- und Geschäftskunden an. Das funktioniert ähnlich wie beim Autokauf auf Raten. Will der Kunde etwa seine alte, ineffiziente Heizungsanlage austauschen, wird er von einem WSWExperten beraten. Das Besondere: Die Stadtwerke finanzieren die Anlage komplett im Voraus, der Kunde zahlt sie mit seiner monatlichen Rechnung über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren ab. Auch um die Wartung der Anlagen kümmern sich die Stadtwerke in Kooperation mit dem lokalen Handwerk. „Natürlich verkaufen wir so die eine oder andere Kilowattstunde weniger“, sagt Brinkmann. Das Modell lohne sich aber dennoch für alle Beteiligten. „Der Kunde erhält eine neue, effiziente Anlage und spart Energiekosten. Wir profitieren davon, dass wir den Kunden langfristig binden.“ In den letzten Jahren wurden über das Contracting-Modell im Raum Wuppertal über 350 Heizungsanlagen ausgetauscht. „Die Nachfrage ist riesengroß, weil der Bestand an Heizungen veraltet ist. Da gibt es ein riesiges Einsparpotential an CO2“, so Brinkmann.
www.stadtwerke-karlsruhe.de,
www.stadtwerke-herne.de,
www.wsw-online.de,
www.vku.de.