Forum 7 und 9
Erneuerbare Energien und KlimapolitikZur Einführung steckte der Klimaforscher Oliver Wagner noch einmal den Rahmen für die Debatte ab. 80 Prozent der Treibhausgase haben, so Wagner, ihren Ursprung in den Städten Die Kommunen spielen mehrere Rollen, wenn es darum geht, die Klimakiller zu reduzieren. Sie sind vielerorts Energieversorger, sie sind Planer, sie sind Verbraucher und sie können Vorbild beim Energiesparen sein. Außerdem sind sie außerhalb der Energieversorgung betroffen von den Gefahren des Klimawandels. Starkregen oder gar Überschwemmungen zum Beispiel machen einen anderen Hochwasserschutz notwendig. Bislang ungewöhnliche Hitzeperioden können nicht nur zu Wassermangel führen, sondern auch die Pflege alter und kranker Bürger beeinflussen.
Michael Geißler, Geschäftsführer der Berliner Energieagentur, berichtete über einige Aspekte des Energiesparkonzepts der Bundeshauptstadt. Für eine Stadt wie Berlin spiele die Solarenergie durchaus eine Rolle, aber nur wenige Gebäude des öffentlichen Wohnungsbaus und der öffentlichen Verwaltung seien dafür geeignet, so Geißler. Effizienter sei der konsequente Ausbau der Kraftwärmekopplung und die dezentrale Energiegewinnung in öffentlichen oder der öffentlichen Hand gehörenden Gebäuden durch Blockheizkraftwerke.
Ein Blockheizkraftwerk für jede Schule
Auch Christoph Zeis, Geschäftsführer der Energie DienstLeistungsGesellschaft Rheinhessen- Nahe, plädierte für einen verstärkten Einsatz von Blockheizkraftwerke. „Sie gehören in jede Schule", postulierte Zeis, „das muss man nur richtig machen, dann sind sie auch wirtschaftlich zu betreiben". Er appellierte außerdem an die Kommunen, mehr Geld zu investieren, damit sie selber, aber auch ihre Einwohner, langfristig mehr Energie sparen.
Iris Behr vom Institut Wohnen und Umwelt wies unterdessen auf das Dilemma für private Immobilienbesitzer hin, die ihre Gebäude besser gegen Wärmeverluste dämmen wollen. Sie können diese Investitionen nur schwer auf die Miete umlegen. In Darmstadt werde deshalb an einem „energetischen Mietspiegel" gearbeitet, dessen Maßstab die Warmmiete ist. Wer den Mieter von Mietnebenkosten, vor allem also von Heizkosten, entlaste, kann eine dementsprechend höhere Kaltmiete anpeilen. Dem Mieter sei es schließlich egal, an wen seine Warmmiete geht, so lange diese nicht ständig steigt. Sie empfahl auch den Kommunen in die Wärmedämmung kommunaler Wohnungen zu investieren, weil sich über diesen Umweg auch die von der Kommune zu zahlenden „Kosten der Unterkunft" beeinflussen lassen.
Beratung, aber keine Gängelung von der Stadt
Die Erste Stadträtin Silke Engler-Kurz erläuterte, welches Energiekonzept Baunatal verfolgt. Unter anderem wurde ein Musterbaugebiet ausgewiesen, in dem die Bauherren „klimagerecht" bauen müssen. Dafür hat die Stadt viel Beratung angeboten und gewisse „Leitplanken" eingezogen. Einerseits dürften die Bürger nicht gegängelt werden, andererseits stünden sie ob der Vielzahl der Energiespar-Angebote „vor einem Berg", über den ihnen geholfen werden müsse, so Engler. Baunatal versucht zudem, Verwaltungshürden auf dem Weg zum effizienten Haus zu senken und selbst als Vorbild bei den stadteigenen Gebäuden voranzugehen. Die Stadträtin forderte die Kommunalpolitiker auf, klimapolitisch „mutig zu sein" und nicht darauf zu warten, dass der Bund und die EU die Rahmenbedingungen verbessert.
Georg Lüdtke, Bürgermeister der mit dem DEMO-Kommunalfuchs ausgezeichneten hessischen Gemeinde Alheim, steuerte unterdessen ein schönes Beispiel für Klimaschutz-Beratung bei. Alheim hat Senioren zu „Umwelttrainern" fortgebildet, die in Kindergärten und Schulen den Kindern zum Beispiel erklären, welche Kraft die Sonne hat. „Die Kinder fragen dann die Eltern, warum sie das nicht nutzen", so Alheim, und tragen so zum Bewusstseinswandel der Erwachsenen beim Thema Klimaschutz bei.