Das Ertüchtigungsprogramm des VKU geht mit dem Thema Kommunalisierung in die vierte Runde
Fitness-Initiative für StadtwerkeChancen und Risiken: Dieses Spannungsfeld eröffnet sich auf vielen Feldern – ob es darum geht, sich unter verschärftem Wettbewerbsdruck zu behaupten, sich über Kooperationen mit anderen Stadtwerken Synergieeffekte zu erschließen und dabei ein Stück weit die eigene Autonomie aufzugeben, den Zwang zum Energiesparen als neues Geschäftsfeld zu entdecken oder derzeit das Auslaufen vieler Konzessionsverträge bei Strom und Gas für die Rückgewinnung kommunaler Regie zu nutzen.
Ein Problem hat Wübbels dabei ausgemacht: Anders als die Konzerne verfügten die meisten der bundesweit rund 800 Stadtwerke „nicht über die erforderlichen personellen Kapazitäten und das notwendige Know-how“, um erfolgversprechende unternehmerische Strategien zu entwickeln. Allenfalls auf die zehn größten dieser kommunalen Unternehmen treffe dies zu. Deshalb die Fitness-Initiativen des VKU. Die bisher gestarteten Projekte, die alle weiterlaufen und zu denen auch Kongresse, Tagungen und zuweilen Vor-Ort-Besuche gehören, seien jedenfalls auf große Resonanz gestoßen, berichtet Wübbels, und schon vor dem Start von Programm Nummer vier sei ein reges Interesse für den neuen Leitfaden zu bemerken.
Kleineren Stadtwerken fehlen oft Know-how und Personal
Das 2005 gestartete Vorhaben befasst sich mit den Konsequenzen aus den neuen Herausforderungen, die durch Zäsuren auf dem Energiemarkt heraufbeschworen wurden – etwa durch die Entflechtungsdebatte, durch die strengere Kalkulation der Netzentgelte oder durch den freien Zugang zum Durchleitungssystem für alle Stromproduzenten. Wübbels ist überzeugt, dass diese Themen auch nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden werden. Allerdings soll dieses VKU-Programm künftig neu justiert werden: Schließlich sehen sich Stadtwerke zusehends konfrontiert mit der Frage, welche Folgerungen etwa aus dem Emissionshandel, aus den Notwendigkeiten des Klimaschutzes, den Zwängen zur Energieeffizienz oder dem Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung zu ziehen sind – all das hat Folgen für die Unternehmensstrategien vor Ort.
Projekt zwei nahm und nimmt Kooperationen in den Blick: Welche Synergieeffekte stecken in der Zusammenarbeit mit anderen Stadtwerken beim Management des Netzes, bei der Energieerzeugung, beim Vertrieb von Strom oder Gas, beim Bezug von Energie? Laut Wübbels sind für Stadtwerke vor allem die aufgelisteten und analysierten Kooperationsmodelle interessant, bei denen andere Unternehmen bereits Erfahrungen gesammelt haben: „Dieser Leitfaden ist inzwischen ein Selbstläufer.“
Lernen von anderen
Lernen von anderen: Dieses Prinzip galt und gilt auch für Programm Nummer drei, das die Energiedienstleistungen als Geschäftsfeld thematisiert. Schon sehr lange stehen gerade Stadtwerke unter politischem Druck, einen Beitrag zum Energiesparen zu leisten. „Doch das muss sich rechnen“, erklärt Wübbels. Defizite sollen kommunale Betriebe ja nicht erwirtschaften. Auch da offeriert das VKU-Projekt nützliche Tipps: Wie handhaben es andere Unternehmen mit dem Contracting oder mit Sparchecks in Privathaushalten, welche Energiedienstleistungen sind etwa in Kliniken erfolgreich?
Und nun also die vierte Initiative, die nicht von ungefähr den Trend zur Kommunalisierung auf dem Energiemarkt aufgreift. Zwei Faktoren kommen aus der Sicht von Wübbels zusammen: Einerseits herrscht vielerorts eine gewisse Unzufriedenheit mit Regionalversorgern, und da trifft es sich andererseits gut, dass derzeit viele Konzessionsverträge auslaufen. So bietet sich manchen Gemeinden bzw. Stadtwerken die Möglichkeit, das Netz und damit die Infrastruktur wieder in Eigenregie zu nehmen – wobei mancherorts zu diesem Zwecke Stadtwerke erst wieder gegründet werden müssen. In Rathäusern und auf Fachkongressen werde dieses Thema vorwiegend unter pragmatischen Gesichtspunkten und weniger unter ideologischen Aspekten diskutiert, so Wübbels.
Der neue Leitfaden soll mehr Durchblick bringen
Doch auch hier betont der VKU-Manager: „Das muss alles gründlich durchgerechnet werden.“ Eben: Chancen sind ohne Zweifel gegeben, aber auch Risiken, und da will der neue Leitfaden zu mehr Durchblick verhelfen. Viele Fragen stellen sich: Wie organisiert man den Vertrieb? Wie gewinnt man Kunden für den Bezug von Strom, Gas, Wärme, für Energiesparangebote? Soll man in die Energieerzeugung einsteigen, mit erneuerbaren Energien, mit KWK? Lohnt sich eine Kooperation mit anderen Stadtwerken, vielleicht gar eine Fusion?
Ein neuralgischer Punkt, der bei der Kommunalisierung von Infrastruktur im Energiebereich viel Verdruss bereitet: Häufig kocht Streit hoch über den Preis der Netze, die von einem Regionalversorger oder einem Konzern erworben werden. „Solche Konflikte landen oft vor Gericht“, erläutert Wübbels. Meist werde der Kaufpreis im Vertrag nur unter Vorbehalt vereinbart, genaue Wertermittlung bleibt der Justiz überlassen. Ein Trost für kommunale Regenten: Laut Wübbels enden solche Prozesse meist zugunsten von Stadtwerken, da würden durchaus beachtliche Summen zwischen 100 000 und einigen Millionen Euro herausspringen, je nach Netzgröße.
Der VKU-Repräsentant rechnet auch deshalb mit einer großen Nachfrage beim neuen Leitfaden zur Kommunalisierung, weil das Auslaufen von Konzessionen in Ländern wie Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen in großem Stil jetzt erst richtig beginnt. Und bevor ein „Stadtwerk der Zukunft“ entsteht, muss zunächst einmal der Start gelingen.
Weitere Informationen: www.vku.de