Bericht
Frankfurts Wohnungsbau stößt an GrenzenZwei Ereignisse haben die Fragen nach den Wachstumsmöglichkeiten von Frankfurt am Main wieder ins Blickfeld gerückt: Am 1. April feierte die Stadt die 100-jährige Eingemeindung von elf Gemeinden. Wenige Tage später konnte das Statistische Amt der Stadt melden, dass die Mainmetropole mehr als 680 500 Einwohner hat.
Die elf Eingemeindungen aus dem Jahr 1910 und einige drei beziehungsweise zwei Jahre vorher haben der Stadt 35 000 Einwohner „eingebracht“. Wichtiger war jedoch auch der Gebietsszuwachs, der Frankfurt mehr als 4 000 Hektar neues Gelände bescherte und sie zu einer der Städte mit der größten Fläche machte.
Frankfurt fehlen Flächen für den Wohnungsbau
Heute jedoch muss sich die Mainmetropole zunehmend Sorgen machen, wo sie in naher Zukunft weitere Flächen für den Wohnungsbau hat. Denn die Stadt ist inzwischen so dicht bebaut, dass „freie“ Flächen kaum vorhanden sind. Und das, obwohl es in den bestehenden Stadtgrenzen noch freie Räume gibt, die als Wohnungsbauflächen ausgewiesen sind.
1997 wurde der Riedberg, eine bis dahin landwirtschaftlich genutzte Fläche, nach langen Diskussionen als Bauland ausgewiesen, um einen neuen Stadtteil zum Wohnen und als neuen Campus für die naturwissenschaftlichen Fächer der Goethe-Universität erstellen zu können. Bis 2017 sollen hier rund 15000 Frankfurter und 8 000 Studenten leben. Bisher sind von den 266 Hektar Bauland etwa die Hälfte verkauft.
Der Riedberg ist jedoch das einzige Areal, das die Stadt neu erschlossen hat. Alle anderen Flächen, die für den Wohnungsbau in den vergangenen Jahren zur Verfügung gestellt wurden, sind innerstädtische Konversionsflächen, auf denen zuvor Siedlungen der US-Armee, des Hauptgüterbahnhofs, der Post oder der Bahn standen. So wurde auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs und seiner Rangiergleise das „Europaviertel“ neben den Messehallen entwickelt. Rund 160 Hektar stehen hier für Wohnungen und Büros zur Verfügung. Im östlichen Teil sind die ersten Wohngebäude bezogen, zwei Hotels haben ihren Betrieb aufgenommen und die Bank BNP Paribas steht im Rohbau. Dort wächst auch ein 185 Meter hohes Hochhaus, der „Tower 185“, empor. Und noch in diesem Jahr sollen endlich der Bau des inzwischen Sykline Placa genannte Einkaufs- und Konferenzzentrums sowie ein 113 Meter hohes Hotel sowie ein Büroturm begonnen werden.
Henninger Turm steht Konversionsfläche im Weg
Ein anderes Areal, das als innerstädtische Konversionsfläche gelten kann, ist das der früheren Henninger-Brauerei auf dem Sachsenhäuser Berg. Zwar ist die Brauerei bereits abgerissen, doch von Neubauten ist noch nichts zu sehen. Die Planungen des Frankfurter Architekten Jochem Jourdan wurde als „Gartenstadt“ bezeichnet, in der bis zu 2 400 Menschen wohnen und 1 500 Menschen arbeiten sollen. Dann kam der zunächst nicht eingeplante Umzug der Binding-Brauerei in die Nachbarstadt Bad Vilbel dazuwischen, von dem die Radeberger-Gruppe später wieder Abstand nahm. Und schließlich steht auf dem Gelände noch eines der inoffiziellen Wahrzeichen Frankfurts, der Henninger- Turm, dessen bierfassförmigem Aufbau in einem der ersten Drehrestaurants den Gästen einen ganz eigenen Ausblick auf Frankfurts Skyline geboten hatte.
Als eines der letzten größeren Entwicklungsgebiete kann auch der Campus Bockenheim, der ehemalige Standort der Universität, gelten. Allerdings ziehen sich die Kaufverhandlungen mit dem hessischen Finanzminister schon über Jahre hin.
Schon werden Bürogebäude zu Wohnbauten umgebaut
Bereits der frühere Frankfurter Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) hatte damit begonnen, das Stadtplanungsamt systematisch nach minder genutzten Grundstücken fahnden zu lassen. Auch wurden in den letzten Jahren die ersten Bürogebäude in Wohnungen umgebaut. Gerade ist in der Bürostadt Niederrad ein älteres großes Bürogebäude für die neue Wohnnutzung umgebaut worden.
Auf absehbare Zeit ist jedoch keine weitere größere Fläche vorgesehen, die nach der Bebauung aller bisherigen Areale für den weiteren Wohnungsbau zur Verfügung stünde. Der Frankfurter Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) weist darauf hin, dass sich die Stadt selbst durch einen Grüngürtel auferlegt habe, diese Freifläche freizuhalten, die nicht bebaut werden darf. Folglich wurden auch für den gerade in der Aufstellung stehenden Flächennutzungsplan des Planungsverbands von Frankfurt keine weiteren Flächenwünsche angemeldet. „Einen Tod muss man sterben“, sagte Schwarz der DEMO, „entweder müssen wir wieder eine Freifläche wie den Riedberg bebauen oder wir können nicht weiter wachsen.“
Dezernat IV: Planen, Bauen, Wohnen und Grundbesitz der Stadt Frankfurt am Main,
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