Sie alle werden bzw. profitieren schon heute vom Klimaschutz. Es darf nicht heißen „jetzt erst einmal nicht“, sondern „jetzt erst recht“– genau wie ich in meinem neuen Buch „Jetzt die Krise nutzen“ sowie in „Die andere Klima-Zukunft – Innovation statt Depression“ vorschlage.
Und die Finanzkrise hat viel verändert, nichts ist mehr wie davor. Die Finanzmarktkrise hat klar gemacht, dass der Staat sinnvoll sein kann – ja manchmal eingreifen muss, nämlich genau dann, wenn die Märkte sich selbst nicht mehr heilen. Beim Klimaschutz und bei der Energieversorgung darf man es nicht so weit kommen lassen, dass das Wirtschaftssystem kollabiert.
Schon seit längerem werden Unternehmen nach ihren mittel- bis langfristigen Zielen und dem nachhaltigen Umgang mit Energie und der Umwelt bewertet. Neben direktem Klimaschutz werden Unternehmen auch nach ihrer sozialen Verantwortung und ethischen Unternehmensführungen bewertet. Unternehmen, die die zentralen Herausforderungen des Klimaschutzes und des nachhaltigen Umgangs mit Energie und Rohstoffen bewerkstelligen wollen, werden ohnehin marktwirtschaftlich die Nase vorn haben. Denn Kapitalgeber werden gerade nach dieser negativen Erfahrung an den Finanzmärkten noch genauer hinschauen, wo ihr Geld hinfließt. Unternehmen, die schon heute auf nachhaltige Energien und Klimaschutz setzen, werden gestärkt aus der Krise hervorgehen.
Durch die Finanzkrise ist nichts mehr wie zuvor
Genau dies habe ich in meinem neuesten Buch „Die andere Klima-Zukunft-Innovation statt Depression“ aufgelistet: Unternehmen, die sich rechtzeitig auf die neuen Geschäftsfelder einlassen, werden die Kapitalgeber besonders attraktiv, insbesondere und gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten. Die Märkte gehören denen, die sie sehen.
Klimaschutz ist eine Chance für die gesamte Volkswirtschaft. Allein in der Branche der erneuerbaren Energien können bis zum Jahr 2030 rund eine Million Arbeitsplätze entstehen – mehr, als es heute in der Automobilindustrie gibt. Deutschland ist als „Land der Ingenieure“ schon heute Technologieführer, warum nicht auch im Bereich grüner Technologien?!
In der Chemie entwickelt man bereits nachhaltige Produkte, und auch die Autohersteller setzen zunehmend auf alternative Antriebstechniken. Vor allem die Bauwirtschaft wird auf neue, energieeffiziente und klimafreundliche Konzepte umsatteln, Stichwort „Gebäudedämmung“, und dadurch einen Wachstumsschub erleben. Letztlich können alle Wirtschaftszweige vom Klimaschutz profitieren.
Es sind vor allem die Kommunen, die gefragt sind
Und es ist wichtig, dass wir frühzeitig mit Klimaschutz beginnen, im Kleinen jeder Bürger, jede Kommune und jedes Unternehmen. Im Großen müssen die Weltnationen ein internationales Klimaabkommen vereinbaren und sich zu verbindlichen Klimaschutzanstrengungen verpflichten. Es ist falsch, immer mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu warten, bis andere etwas tun. Es ist richtig, genau diesen Teufelskreis zu durchbrechen, und ganz gezielt etwas für den Klimaschutz tun.
Vor allem die Kommunen sind gefragt: beginnend von Energieeinsparungen bei öffentlichen Gebäuden, der Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs oder von CO2-freien Innenstädten, zum Beispiel durch Elektromobilität, Förderung von Pilotprogrammen zum Ausbau erneuerbarer Energien, Förderung von Kraft-Wärme Kopplungsanlagen bis hin zur Verbesserung der Informationen, Bildung, Ausbildung von Entscheidungsträgern und Beratern. Die Liste der Aufgaben ist lang und es gibt mittlerweile viele Kommunen, die Klimaschutz aktiv und dezentral umsetzen. Man kann nur allen Kommunen ans Herz legen: Wir benötigen nicht nur innovative Technologien, sondern auch innovative Politik und eine mutige und innovative Wirtschaftsförderung. Dann klappt es auch mit dem Klimaschutz.
Claudia Kemfert ist Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität Berlin