Die nordhessische Gemeinde Lohfelden will bis 2030 eine ausgeglichene CO2-Bilanz erreichen
Mit den Bürgern gegen den KlimawandelIn Lohfelden sollen deshalb nicht nur kommunale Einrichtungen auf eine ausgeglichene CO2-Bilanz kommen, sondern die ganze Gemeinde: private Haushalte, Betriebe und Verkehr inklusive. „Das ist sehr ehrgeizig, das wissen wir“, sagt Sozialdemokrat Reuter. Aber, so ist er überzeugt, auch machbar: Die ersten Schritte sind schon getan.
Zur Hälfte soll die Einsparung von Kohlendioxid gelingen, indem Strom und Wärme künftig vollständig aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen werden – und zwar vor Ort. Um Rathaus, Bürgerhaus und Freibad schon bald CO2-neutral beheizen und gleichzeitig grünen Strom ins Netz einspeisen zu können, entstehen zwei Blockheizkraftwerke, die von einer neuen Vergärungsanlage am Rande der nordhessischen Kommune mit Biogas versorgt werden. Noch in diesem Jahr sollen Photovoltaikanlagen auf den Dächern der sanierten Gesamtschule und der neu gebauten Gemeindebücherei in Betrieb gehen. Und das ist erst der Anfang. „Unser Ansatz ist, dass die politische Gemeinde mit gutem Beispiel vorangeht“, sagt Reuter. „Jedes Jahr eine gute Tat, sozusagen.“
Nur Strom aus Erneuerbaren, alle Gebäude werden saniert
Das gilt auch für den zweiten, ebenso wichtigen Pfeiler des Projekts: das Einsparen von Energie. Nach und nach sollen alle kommunalen Gebäude energetisch saniert werden, nach so strengen Maßstäben wie möglich. „Wenn man zehn Prozent unter den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) bleiben würde, wäre das kolossal“, meint Martin Hoppe-Kilpper, Geschäftsführer des Energienetzwerks deENet.
Der Zusammenschluss von 110 Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus der Region, die sich dem Ziel der dezentralen und effizienten Energieversorgung verschrieben haben, berät die Lohfeldener bei ihrer angestrebten Energiewende. Die Wissenschaftler machen eine Bestandsaufnahme, berechnen den durchschnittlichen CO2-Jahresverbrauch jedes Bürgers der Gemeinde, ermitteln Einsparpotenziale und schlagen „Leuchtturmprojekte“ wie die energetische Sanierung eines ganzen Straßenzugs vor. „Leuchttürme bringen Licht in die dunkle Zukunft“, sagt Hoppe-Kilpper. Das heißt: Sie zeigen den Menschen, um was es geht – und das es geht.
Die Bürger bei der Energiewende mitnehmen
Denn das sei entscheidend: „Wenn wir deutschlandweit die Energiewende schaffen wollen, müssen wir die Bürger mitnehmen“, erklärt der Experte. „Jeder einzelne muss etwas tun.“ Auf dem Weg zur energieeffizienten Kommune soll daher auch in Lohfelden die Bürgerbeteiligung hohen Stellenwert bekommen. Man setzt auf Aufklärung, Einsicht, auf „Domino-Effekte“: Sobald die ersten Bürger positive Erfahrungen etwa mit Solarthermie-Anlagen zur Warmwasserbereitung gesammelt hätten, würden Nachbarn, hofft man, dem Beispiel folgen. Zumal steigende Energiekosten Investition ins Sparen auch wirtschaftlich immer interessanter machten.
Um die Aufmerksamkeit von Hausbesitzern auf den effizienten Energieeinsatz zu lenken, hat die Gemeinde schon vor drei Jahren ihre Förderrichtlinien geändert: Photovoltaikanlagen werden anders als früher nur noch dann kommunal bezuschusst, wenn das Haus zuvor energetisch saniert wurde: Auch Ökostrom soll ja nicht verschwendet werden. Stattdessen gibt es jetzt auch Geld für Dämmmaßnahmen oder Isolierglasfenster. Die Erfahrungen, heißt es im Rathaus, seien gut. „Das Thema“, zeigt sich Bürgermeister Reuter optimistisch, „ist in Lohfelden in der Bevölkerung angekommen.“