Editorial
Motivierte Mitarbeiter trotz leerer Kassen? Das geht!Kann Kommunalverwaltung (auch) Spaß machen? Personalberater sagen: Ja! (klar, sie wollen Konzepte verkaufen). Aber auch viele modern geführte Rathäuser arbeiten daran, die berühmten Humanressourcen und Potenziale zu erschließen. Die Stichworte im März-Titel lauten: strategische Personalentwicklung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Berücksichtigung des demografischen Wandels und von Gesundheitsfragen, interkulturelle Öffnung, gewinnen und halten von Führungskräften, Vermittlung von Soft Skills, eine lernende Organisation mit flachen Hierarchien, klaren Zielvorgaben, umfangreichen Kommunikations- und Qualifizierungsmöglichkeiten. Das geht nur, wenn man Gutes tut und darüber redet. Also Menschen „auf dem Amt“ gute Gründe gibt, für andere gut zu arbeiten. Im Grunde wollen wir alle eine sinnvolle, gemeinwohlorientierte Arbeit tun. Wo wäre das eher möglich als in einer Kommune, die erkennbar nachhaltig für das Wohl ihrer Bürgerinnen und Bürger arbeitet? Die Aufgabe besteht darin, diese heren Grundlagen im bürokratischen Alltag erfahrbar zu machen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Kunden (vulgo für Bürger).
Die politische Klasse ist in einem schlechten Zustand
Zum Zustand der politischen Klasse: Dass Hamburgs Bürgerschaftspräsident seine Straße vom Schnee räumen lässt, die NRW-Landtagspräsidentin ihre Energietantiemen nicht abführt, ein Staatssekretär im Ländle für Kiesfirmen agiert, deren Beirat er ist, ein Berliner MdL im Bauausschuss sitzt und zugleich öffentliche Aufträge ohne Vergabe abarbeitet bis hin zum selbst ernannten Arbeiterführer Rüttgers, der gegen Cash mit Sponsoren plaudert – all das stärkt gewiss nicht das Vertrauen in die politische Elite. Das sind Schwelbrände. Guido Westerwelle dagegen zündelt offen am Sozialstaat: Da hetzt einer unter Druck („Mövenpick-Partei“) und Jubel von „Bild“ („Sind Hartz-IV-Empfänger die wahren Reichen im Land?“) Niedriglöhner auf Transferempfänger.
Andrea Nahles bringt es auf den Punkt: Die FDP fördert Lohndumping, verhindert Mindestlöhne und beklagt zu geringen Lohnabstand zu Hartz IV. Sie als wahre Systemverändererpartei begünstigt weiter die Besserverdiener, will die Hartz-Sätze eigentlich senken, Gesundheitsversicherung und Gewerbesteuer – möglichst geräuscharm – zerschlagen. „Für faule Geschenke an reiche Erben und Barone der Hotelbranche sollen jetzt Hartz-IV-Empfänger zu Kasse gebeten werden“ (Nahles, „FR“ 22. 2.). So handelt kein möglicher Koalitionspartner. Hier steht sozial- wie gesellschaftspolitisch der Gegner.