In Nordhessen entsteht ein Kompetenzcluster für zukunftsfähige Energieversorgung
Regional die Kraft der Sonne nutzenHilfreich war und ist die Unterstützung des Bundes. Von der schwarz-gelben Landesregierung in Hessen ist dagegen keine Hilfe zu erwarten. Laut einer Studie zur Bedeutung erneuerbarer Energien liegt Hessen nur auf Platz 14. Um so erfreulicher ist es, dass die Förderung der erneuerbaren Energien im Landkreis Kassel, durch dessen heterogene Struktur die Nutzung aller Arten der erneuerbaren Energien möglich ist, gelebte Realität ist. Diese Glaubwürdigkeit schlägt sich auch in entsprechend guten Wahlergebnissen nieder. Durch die konsequente Förderung in der Vergangenheit sind heute im Landkreis und in der Stadt Kassel viele Unternehmen und Institutionen und Unternehmen zu Hause.
Beispielhaft zu nennen sind hierbei das Institut für Solare Energieversorgungstechnik (ISET), das nun zum Fraunhofer-Institut für Windenergie und Systemtechnik (IWES) wird. Ein weiteres Erfolgsmodell ist die Firma SMA, die 1981 von Wissenschaftlern der Universität Kassel gegründet wurde und heute Weltmarktführer in der Herstellung von Wechselrichtern ist.
Rund um die Erneuerbaren entstehen Institute und Firmen
Je mehr Kommunen, Unternehmen und Institute sich mit Erneuerbaren beschäftigen, um so nötiger wird ein einheitliches Vorgehen. Hierfür wurde 2003 das Kompetenznetzwerk für Dezentrale Energietechnologie e.V. (DeENet) gegründet. Über 100 Mitglieder aus Nordhessen leben ein Forschungs- und Unternehmensnetzwerk für dezentrale Energietechnik und -effizienz. Mittendrin die 29 Kommunen des Landkreises Kassel, die ihre Aufgabe darin sehen,
- positive Rahmenbedingungen in den Kommunen zu schaffen;
- Vorbild zu sein und
- konkrete Hilfen zu geben.
In der Politik ist die Förderung erneuerbarer Energien fest verankert. Dies äußert sich etwa darin, dass bei Neubauten oder Sanierungen der Einsatz erneuerbarer Energien, insbesondere von Photovoltaikanlagen, verpflichtend geprüft wird. Die Energieagentur im Landkreis Kassel – Energie 2000 e.V. hilft durch die Beratung in allen Fragen der Energieeinsparung und Nutzung erneuerbarer Energien. 25 von 29 Landkreiskommunen sind Mitglieder und nehmen diese Unterstützung in Anspruch.
Selbst anpacken und Vorbild sein
Daneben werden auch in der Stadtplanung neue energetische Erkenntnisse aufgegriffen und umgesetzt. So gibt es mit den Baugebieten „Am obersten Heimbach“ in Baunatal und „Auf dem Osterberg“ in Vellmar mehrfach prämierte vorbildhafte klimaeffiziente Wohngebiete. Selbst anpacken und Vorbild sein, wird ebenso in vielen Landkreiskommunen praktiziert. Der Landkreis, aber auch Städte wie Baunatal prüfen konsequent alle kommunalen Dachflächen auf Eignung für Solaranlagen. Während Baunatal kommunale Dachflächen an Privatinvestoren vermietet, investiert der Landkreis in Solaranlagen. Spektakulärstes Beispiel ist die mit 5 000 Quadratmetern größte deutsche Solaranlage auf dem Dach der Berufsschule des Kreises in Wolfhagen. Die Wertschöpfung durch und aus den Anlagen bleibt jeweils in der Region.
Die Unterstützung der Menschen vor Ort in den Kommunen kann in vielfältiger Art und Weise geschehen und hängt immer von den Möglichkeiten und Bedürfnissen in den einzelnen Kommunen ab. Hierbei ist der interkommunale Ideenaustausch immer förderlich und gewollt. In Baunatal gibt es zum Beispiel finanzielle Unterstützung durch ein eigenes Solarförderprogramm, in Wolfhagen für die Sanierung von Altbauten.
Ideen gibt es viele im Landkreis Kassel. Damit diese auch zu Taten werden, bedarf es weiterhin der Einigkeit und Zusammenarbeit der Kommunen mit den verschiedenen Akteuren vor Ort. Dass dies gerade im Landkreis Kassel gelingt, zeigt neben dem Erfolgsmodell „Förderung der erneuerbaren Energien“ auch das aktuelle Vorgehen in der Frage einer möglichen Rekommunalisierung der Stromnetze.
Silke Engler-Kurz ist Erste Stadträtin der Stadt Baunatal
Kontakt:
(0561) 4992-205.