Die Diskussion um CCS geht weiter, mit neuen Argumenten. Die Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW) sieht in unterirdischen CO2-Speichern eine Gefahr für das Grundwasser.
Das Prinzip klingt einfach und gut: bei der Verstromung von Braunkohle wird das entstehende CO2 abgeschieden und anschließend in der Erde gespeichert. Diese CCS (Carbon Dioxide Capture and Storage) genannte Technologie könnte die CO2-Bilanz von klimaschädlichen Kohlekraftwerken deutlich verbessern.
Besonders für ein Land wie Brandenburg, das den Großteil seines Strombedarfs aus Braunkohle bezieht, würde sich die CO2-Verpressung lohnen. Der Energiekonzern Vattenfall will daher in den nächsten Jahren mit Erkundungsbohrungen in Beeskow (Oder-Spree) und Neutrebbin (Märkisch-Oderland) prüfen, ob sich die Region für die unterirdische CO2-Speicherung eignet. Allerdings ist die Technologie umstritten.
Kritiker bezweifeln, dass eine CO2-Speicherung in der Erde Sinn hat. Denn die Speicherkapazität ist begrenzt, eine alternative Nutzung des Untergrunds für Geothermie oder als Energiespeicher würde ausgeschlossen. Mögliche Folgen der Speicherung und vor allem Folgekosten sind nicht vorhersehbar.
Eine Frage, die in der Diskussion bisher eine untergeordnete Rolle gespielt hat, stellte die Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW) kürzlich auf einer Tagung in Potsdam: Welche Konsequenzen hätte das CCS-Verfahren für das Grundwasser in Brandenburg?
94 Prozent des Trinkwassers aus dem Grundwasser
Die AöW spricht sich jedenfalls klar gegen die neue Technolo- gie aus, da die Gefahren für das Grundwasser zu hoch seien. Der Hintergrund: In dem porösen Sandgestein, in welches das Kohlendioxid verpresst werden soll, befindet sich hochsalzhaltiges Wasser. „Es ist nicht auszuschließen, dass dieses Wasser durch die CO2-Verpressung verdrängt wird, in obere Schichten gelangt und sich mit dem Grundwasser vermischt“, sagte die AöW-Geschäftsführerin Christa Hecht. Brandenburg sei als Erprobungsstandort der CCS-Technologie vor allem deshalb problematisch, weil 94 Prozent des in dem Bundesland genutztenTrinkwassers aus dem Grundwasser gewonnen werde.
Die SPD-geführte Landesregierung in Potsdam setzt sich für die Erforschung und Demonstration der CCS-Technologie ein. Jedoch nicht um jeden Preis, wie Sven Cremer, Referatsleiter im zuständigen Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten erklärte. Ein ausreichender Grundwasserschutz müsse gewährleistet werden. „Die CO2-Verpressung darf nicht dazu führen, dass salzhaltiges Wasser ins Grundwasser gelangt.“ Sebastian Kunze vom Brandenburger Städte- und Gemeindebund sieht das Pilotprojekt aufgrund der Gefahr der Salzwasserverdrängung kritisch. Er befürchtet zudem, dass das Projekt auch zu Lasten der Erneuerbaren Energien gehen könnte.
Demgegenüber stünden aber große Chancen für das Land Brandenburg wie die Sicherung von Arbeitsplätzen, Exportmöglichkeiten auf dem Weltmarkt und andere Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie. „Daher sollte die Forschung und Erprobung des CCS-Verfahrens weiterhin unterstützt werden, auch und vor allem in Bezug auf andere Anwendungsmöglich- keiten als die Kohleverstromung.“
Technologie mit Potenzial
Der technische Geschäftsführer des Vattenfall-Bereichs „CO2-Transport und Speicherung“ Wolfgang Rolland warnte davor, die CCS-Technologie von vornherein auszuschließen. „Zumal es eine Technologie ist, die fossile Energieträger mit Klimaschutz verbindet.“ Alle neuen Technologien auf dem Weg zu den Erneuerbaren Energien hätten ein gewisses Potenzial, derzeit wisse aber niemand, welche genau uns voranbringe.
Gutachten, die die CCS-Technologie thematisierten, beruhten auf zu vielen Konjunktiven. „Bevor man nicht da unten war, kann man auch nicht sagen, die Technik sei nicht sicher.“ Es gehe nicht darum, morgen CO2 zu speichern, sondern um Erkundungen in den nächsten zwei bis drei Jahren, um die ganzen Konjunktive zu überprüfen.