Sogenannte eiszeitliche Rinnen waren es, die dem märkischen Strausberg einst zu seiner heutigen Lage inmitten einer schönen Seenkette verhalfen. Vielleicht blieb von jener „Coolness“ bis heute einiges übrig. Denn die 26 000-Einwohner-Stadt östlich von Berlin geht mit Energie sparsamer um als fast jede andere Kommune hierzulande. So unterbietet sie mit 24 MWh Strom sowie einem CO2-Ausstoß von 4,5 Tonnen bundesdeutsche Mittelwerte pro Jahr und Einwohner um rund ein Drittel. Nun erklärte sich Strausberg – das trotz einer haushohen Linke-Mehrheit im Stadtrat übrigens von einem weststämmig-parteilosen Ex-Zeitsoldaten der Bundeswehr regiert wird – sogar zur „Energie-Effizienz-Region“. Wie Bürgermeister Hans Peter Thierfeld erzählt, wolle man bis 2020 den städtischen Energieverbrauch Jahr für Jahr um ein weiteres Prozent drücken.
Wichtige Stellschrauben hierfür finden sich in den Strausberger Stadtwerken. Sie erzeugen beispielsweise schon heute einen überdurchschnittlich hohen Anteil der benötigten Energie durch die hoch effiziente Kraft-Wärme-Kopplung. Mit weiteren neun Stadtwerken aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern starteten sie zudem im Oktober einen Feldversuch mit „intelligenten“ Stromzählern in ausgewählten Haushalten. Da diese teils viertelstündlich die Stromabnahme erfassen, sollen die Bewohner so ihren Verbrauch jederzeit im Blick behalten können und sich zum Energiesparen verleiten lassen.
regional verwurzelten Stadtwerken helfen, neue Geschäftsfelder zu erschließen
Auch über die Stadtgrenzen hinaus schlägt Strausberg neue energetische Wege ein. Mit drei weiteren brandenburgischen Stadtwerken in Angermünde, Bernau und Ludwigsfelde sowie der kommunal getragenen EWE AG in Oldenburg gründete man im August den Regionalversorger en.regio. Die Potsdamer Gesellschaft will regional verwurzelten Stadtwerken helfen, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Hierzu gehören vor allem zeitgemäße Produkte, Dienstleistungen und Projekte in den Zukunftsbereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien.
Andreas Gagel, dem Geschäftsführer der Strausberger Stadtwerke, gefällt an en.regio zuerst, „dass alle Partner auf gleicher Augenhöhe agieren, dass also jeder, ob groß oder klein, nur eine Stimme hat“. Zugleich hofft er, dass sich ihnen „Türen zu Projekten öffnen, die wir alleine nicht möglich machen könnten“.
Die Stadt legte ihre Energie- und CO2-Bilanz offen
Dabei empfiehlt sich Strausberg längst selbst als Vorreiter in puncto Stromsparen. Denn die erste städtische Energie-Effizienz-Konferenz im Juni, auf der die Energie- und CO2-Bilanz für die Region offengelegt wurde, stieß auf ein weites Echo. Nicht nur, weil Matthias Platzeck (SPD) die Schirmherrschaft übernahm, planen nun auch andere brandenburgische Städte wie Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt und Luckenwalde ähnliche Aktionen. Da sich Einspareffekte nur seriös messen lassen, wenn exakte Basisinformationen vorliegen, hatten Stadt und Stadtwerke zusammen mit der Oldenburger EWE zuvor den gesamten Energieverbrauch sowie die CO2-Emissionen von Haushalten, Wirtschaft und Stadtverkehr ermittelt. Und wenn nicht die vor Ort verwurzelten Energieversorger diese Initiative ergriffen, so Gagel, stießen bald andere in diese Lücke.
Organisiert und gesteuert werde das Projekt durch eine übergreifende Lenkungsgruppe. In der agieren neben Stadt, Stadtwerken und EWE auch der Chef der Wohnungsbaugesellschaft, ein Sparkassenvorstand, der Kommandeur der Strausberger Bundeswehrakademie sowie Vertreter aus Firmen und Behörden. Vor allem aber setzt Bürgermeister Thierfeld stark auf den Dialog mit den Bürgern. Gerade sie will er für das „schick gewordene“ Thema sensibilisieren. Bei sogenannten „nicht-investiven“ Maßnahmen, sprich: der täglichen Verbrauchsverhalten, sieht er derzeit noch besonders große Reserven. Bereits 2010 avisiert der Rathauschef die zweite Strausberger Energie-Effizienz-Konferenz – nun bereits verbunden mit einer Messe. Auf der sollen regionale Handwerker ihr Leistungsprofil rund um die Energieeffizienz vorstellen.
Wie viel Energie in den Strausbergern steckt, lässt sich im Übrigen auch auf einem anderen Feld erleben: Ihr städtischer Fanfarenzug wurde in Kanada bereits Weltmeister in dieser reichlich Puste erfordernden Disziplin.
www.stadtwerke-strausberg. de, www.strausberg.de