Das Thema Gesundheitspolitik ist für Jens Beutel nicht nur in der Tagespolitik von zentraler Bedeutung, „es ist auch für künftige Generationen wichtig.“
Der Mainzer Oberbürgermeister ruft in seinem Grußwort zur DEMO-Fachtagung „Gesundheit und Pflege in den Kommunen“ dazu auf, gemeinsam für die Zukunft des Landes zu arbeiten. „Zusammenarbeit ist Pflicht“, sagt er und betont, dass Gesundheit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, die sich an zwei Grundsätzen orientiere: Gleichheit und Solidarität.
Kommunen koordinieren Akteure
Die Kommunen leisten einen wesentlichen Beitrag zur solidarischen Gesundheitspolitik, ist Beutel überzeugt. Sie müssten dafür sorgen, dass die unterschiedlichen Akteure die im Bereich Gesundheit tätig sind, koordiniert werden und zusammenwirken. Als Beispiel nennt Beutel ein Pilotprojekt, das derzeit in der Mainzer Neustadt läuft. Gesundheitsteams, finanziert von Bund und Land, sorgen vor Ort für eine bessere Vorsorge. Es gebe Ernährungsberatung, Stilltreffs, Säuglingspflegekurse und mehr, berichtet Beutel. Gerade in Bezirken, in denen viele sozial schwache Menschen leben, sei es nötig „niederschwellige und nachhaltige Gesundheitsangebote direkt im Wohngebiet zu machen.“
Über Mundpropaganda erfahren Menschen von den Angeboten, die auch rege genutzt werden. „Gesundheitspolitik hat viel mit Vertrauen zu tun“, betont der Mainzer Oberbürgermeister. Erfahrungen aus Modellprojekten wie jenem in Mainz-Neustadt helfen, die Versorgung künftig zu verbessern.
Herausforderung demografischer Wandel
Doch Gesundheit ist mehr als Vorsorge. Der demografische Wandel sorge dafür, dass es immer mehr ältere und pflegebedürftige Menschen gebe. Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen werden häufiger. „Verantwortungsvolle Pflege ist aufwändig und mit hohen Kosten verbunden“, sagt Beutel. Solidarität und Fürsorge sei wichtig für Pflegebedürftige.
Immer mehr Menschen wünschten sich häusliche Pflege, auch wenn diese immer seltener in der Familie stattfinde. Außerdem wollen Menschen auch im Alter selbstbestimmt leben können. Die Pflege sei ein breites Feld, um welches sich das Land kümmern müsse.
Beutel spricht von institutionellen Hilfsangeboten, die nötig seien. So leistet sich die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz ein Altenheim. Das sei Teil der kommunalen Selbstverantwortung, unterstreicht Beutel. Der Oberbürgermeister setzt auf ein gutes, tragfähiges Netz, das die medizinische Versorgung sichert. „Nur gemeinsam sind wir den Herausforderungen des demografischen Wandels gewachsen.“ Er bedankt sich in seiner Rede bei den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern im Bereich von Gesundheit und Pflege.
In seiner Rede betont Jens Beutel, dass Gesundheit starke Partner brauche. Niedergelassene Ärzte und Kliniken müssten kooperieren. Er spricht auch die pharmazeutische und biotechnologische Branche an, Unternehmen aus diesem Bereich seien auch in Mainz angesiedelt.
Der Mainzer Oberbürgermeister plädiert für eine enge Vernetzung von Wissenschaft und Kommunen. Mainz sei Wissenschaftsstadt, habe zwei Fachhochschulen und ein Max-Planck-Institut. Demnächst werde eine neue Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie eröffnet. Der Oberbürgermeister spricht von „Investitionen in die Zukunft“.
Von Gutenberg lernen
Beutel betont, dass der Erfinder des Buchdrucks, Johannes Gutenberg, Mainzer sei. Deshalb wisse man hier, wie sehr Wissenschaft und Innovationen eine Gesellschaft verändern können. Und heute würden die Weichen für die Zukunft gestellt, dafür wie wir künftig zusammenleben wollen, so Beutel. Und weiter: „Gesundheitspolitik ist eine kommunale Kernaufgabe“.
„Nachhaltigkeit, Fürsorge und Menschenliebe sind die Leitlinien – nicht die Ökonomisierung.“ Eine Feststellung, für die Beutel großen Applaus von den rund 300 Teilnehmern der Fachtagung erntet.