Bericht zum Forum „Öffentliche und private Wirtschaft am Markt – Beispiel Energie“
Der Strom kommt aus der Steckdose. Doch wie kommt er dahin und wo kommt er her? Aus dem Kohlekraftwerk im Ruhrpott, dem AKW an der Weser oder dem Windpark in Uetze? Und wer hat das Sagen, welcher Strom fließt und wie teuer dieses Energiegut ist? Die großen Vier, die meinen, Deutschland unter sich aufgeteilt zu haben, oder vielleicht doch jene unbeugsamen Energie-Gallier, die nach wie vor in fast jedem deutschen Landstrich für Erleuchtung sorgen?
Oliver S. Wagner vom Wuppertal Institut ist sich da sicher: „Die Perspektiven dezentraler Energieerzeugung zwischen Wettbewerb, Klimaschutz und Qualität waren noch nie so gut wie heute.“ In der Konkurrenz mit den Großen haben sie einen unschätzbaren Vorteil: Ihre „Nähe zum Kunden“ hat ihnen einen Vertrauensvorschuss ermöglicht, den andere mit noch so günstigen Sondertarifen nicht ausgleichen können.
Kommunale Energieversorger sind mit ihrer Beratungskompetenz in der Lage, den Satz „Lokal denken – global handeln“ energetisch aufzuladen. Wohin gehen Verbraucher, wenn sie Energie spartipps brauchen oder ihre Gebäude energetisch sanieren wollen? Mit großer Wahrscheinlichkeit zu „ihren“ Stadtwerken. Das gilt für Gewerbeund Industriekunden ebenso wie für private.
Innovative Dienstleistungen „innerhalb des Konzerns Stadt, vor allem mit der Wohnungswirtschaft“ tragen nach den Erkenntnissen von Wagner dazu bei, die sichere Energieversorgung sauber zu machen. So lassen sich allein durch effiziente Heizungsanlagen und Gebäudesanierung jährlich 41 Millionen Tonnen CO2 einsparen, durch die Steigerung der Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energien auf über 27 Prozent gar 55 Millionen Tonnen.
Dies leuchtet den Verbrauchern ein, denn was zählt, ist nicht der Preis für die Kilowattstunde, sondern die Höhe der jährlichen Energierechnung. Entscheidend ist nicht der Energieverbrauch, entscheidend ist, wie viel mit wie wenig Energieeinsatz bewirkt werden kann. Klimaschutz kann dabei für kommunale Energieversorger zum vorteilhaften Geschäftsfeld werden, wenn es gelingt, Qualität zu verkaufen.
Martin Rühl, Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfhagen in Hessen, sieht die Zukunft kommunaler Versorger „vor goldenen Zeiten“. Die Wolfhagener setzen auf Schulung und Beratung in Schulen und Haushalten. In Wolfhagen ist die Behauptung, „Energiesparen ist nicht sexy“, von gestern. Der Zusammenschluss setzt auf die Erziehung der Verbraucher zum Schutz des Planeten. Wolfhagen ist dabei nahezu energieautark und wirtschaftlich erfolgreich. Das ist für viele Kunden sexy genug.
Ökologie und Ökonomie stellen in der dezentralen Energieversorgung keinen Widerspruch dar. Das sagen die Geschäftsergebnisse des MVV. Sie erlösen 220 Millionen Euro aus dem Verkauf von Öko-Energie. Voraussetzung für diese Zahlen sind Investitionen zur rechten Zeit und Geduld, denn Renditen fallen nicht auf Knopfdruck an. Geschäftsführer der MVV Energie Dienstleistungs GmbH, Michael Lowak, hat für den Erfolg bei der Kundschaft ein einfaches Rezept: „Man sollte nur Dinge empfehlen, die sich rechnen.“ Dazu rechnet er Stadtwerke- Verbünde, denn einzelne kommunale Unternehmen sind manchmal zu klamm für Investitionen in die energetische Zukunft.
Die gesamte Energiewirtschaft wird sich verändern. Die kommunalen Versorger werden in den kommenden Jahren ihre Marktanteile ausweiten können. Das bedingt ausreichende Netzbeteiligungen zur Absicherung der Angebotspalette. Da sich der Wettbewerb im Erzeugungsmarkt weiter entwickelt, müssen sich Stadtwerke mitentwickeln: durch die Auflage kommunaler Energie-Masterpläne, den Ausbau dezentraler Netze und ihre Nähe zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Die wichtigste Botschaft lautet dabei: „Es muss klar sein, dass die Stadtwerke den Bürgern gehören.“ Die können dann in ihren jeweiligen energetischen Dörfern selbst entscheiden, ob es wirklich notwendig ist, Energie bei den Großen zu kaufen, die doch selber umweltschonender „an der nächsten Ecke“ erzeugt werden kann.