Die DB AG macht mit einer Carrera-Bahn Werbung in eigener Sache
Den vielen Sponsoren, die durch ihr Engagement den 2. DEMO-Kommunalkongrass erst möglich gemacht haben, schulden die Organisatoren selbstverständlich Dank, der an dieser Stelle auch einmal konkret ausgespochen werden soll. Zu diesen Sponsoren zählte auch die Deutsche Bahn AG, die hier selbstverstänlich auch ausdrücklich in unseren Dank eingeschlossen sein soll.
Einige Anmerkungen sollten aber erlaubt sein. Anders als die anderen Sponsoren präsentierte sich die DB AG am Rande der Abendveranstaltung im Roten Rathaus. Und mit ihrem Stand dort appellierte sie an das Kind in den vorwiegend männlichen Veranstaltungsteilnehmern. Aber nicht mit einer Modellbahnanlage, was ja auf den ersten Blick das Naheliegendste wäre und zudem noch vielen Teilnehmern den Kindheitstraum von Beruf Lokomotivführer nun gerade beim DEMO-Kommunalkongress zwar spät und dann auch nur im Miniaturformat hätte erfüllen können. Aber nein, die DB stellte sich mit einer Carrera-Bahn vor.
Die ersten, die sich noch während der Reden im Hauptsaal an die Bahn und ihre Geschwindigkeitsregler im Vorraum verirrten, mussten sich noch hämische Fragen gefallen lassen, ob sie gerade Lokführerstreik spielen. Und auch die beiden netten Damen, die im Auftrag der DB AG die Carrera-Bahn betreuten, sahen sich etwa mit der Frage konfrontiert, ob sie mit diesem Marketing-Auftritt angesichts vielleicht noch drohender weiterer Arbeitskampfmaßnahmen der Lokführer die Empfehlung vermitteln wollten, lieber gleich aufs Auto umzusteigen, anstatt frierend auf irgend einem Bahnsteig zu stehen und auf einen Zug zu warten ohne zu wissen, ob der überhaupt fährt.
Wenngleich die Carrera-Bahn der Deutschen Bahn zahlreiche große Jungs und, wie glaubhaft versichert wurde, auch einige große Mädchen an die Temporegler lockte, war man sich doch im Saal weitgehend darüber einig, dass die DB AG mit dieser Sponsorenpräsentation das erwartete Marketingthema weitgehend verfehlt habe.
Alles Mumpitz, meine Damen und Herren! Der Marketingauftritt der DB war tiefenpsychologisch perfekte Werbung für die Bahn. Denn wer immer auch einen der Temporegler in die Hand nahm und damit einen der schnittigen Flitzer über die Piste jagte, ließ damit lustvoll und hemmungslos die Sau raus. Vollgas, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Staus und einschränkende Verkehrsschilder, wie einst in Kindheitstagen. Mit dem auch aus jenen Tagen bekannten Effekt, dass die Flitzer spätestens in den Kurven regelmäßig aus der Bahn flogen. Womit wir bei der Unfallhäufigkeit im Straßenverkehr wären. Na, wenn das kein fliegendes Argument für den Umstieg auf die Schiene ist. Und schließlich verhandeln Lokführer und Bahnvorstand ja auch wieder. Was heißt: Die Bahn kommt!
Nachsatz: Der Autor dieser Zeilen ist übrigens mit der Bahn zum DEMO-Kommunalkongress an- und auch wieder zurückgereist. Ohne dass diese aus den Schienen geflogen wäre.