Im dritten Anlauf klappte es endlich: Nachdem der rot-rote Berliner Senat zweimal auf Verlangen der Linkspartei das Schulreformgesetz verschoben hatte, beschloss er es gestern zeitgleich mit den Schulsommerferien. Damit werden ab dem Schuljahr 2010/2011 die Haupt-, Real- und Gesamtschulen Berlins zur einheitlichen Gemeinschaftsschule zusammen gefasst. Die Linkspartei konnte sich an einigen Stellen nicht durchsetzen: So bleibt die Gemeinschaftschule ein Schulversuch, der noch nicht gesetzlich abgesichert ist.
Auch das Ziel der Linken, festzuschreiben, dass möglichst alle Schüler gemeinsam unterrichtet werden sollen, erfüllte sich nicht. SPD-Bildungssenator Jürgen Zöllner ("ein schöner Tag") stellt den Schulen frei, ob sie verschiedene Klassen je nach Abschluss einführen. Schließlich werden auch die grundständigen Gymnasien erhalten bleiben, Zöllner versprach nur, er werde diese Klassen nicht ausbauen. Keine Probleme hatte Rot-Rot mit der öffentlich kritisierten Losquote von 30 Prozent der Bewerber beim Übergang von Grund- auf weiterführende Schulen. Durchgesetzt hat sich die Linkspartei schließlich damit, dass vor einer Schulempfehlung verbindliche Elterngespräche geführt werden müssen.
Laura Fritsche, Landesschülervorsitzende, sprach von einem "Schritt in die richtige Richtung", auch wenn es gerechter gewesen wäre, nur noch eine Schulform zu schaffen. Der Landeselternausschuss nannte das zweigliedrige Schulsystem "zukunftsträchtig", forderte aber mehr Investitionen an den Grundschulen. Die Oberstudiendirektoren freute "das klare Bekenntnis zu den Gymnasien", Berlin werde zum "deutschlandweit beachteten Schulmodell." Jan Eder von der IHK lobte das vorgesehene Angebot des dualen Lernens für Schüler mit früher berufspraktischer Perspektive als Fortschritt. Nur CDU und FDP geißelten eine vermeintliche Schwächung der Gymnaisen sowie die "Schülerlotterie" beim Zugang zu gefragten Schulen.
Der Entwurf geht nach der Sommerpause zur Lesung in das Abgeordnetenhaus, zum Schuljahr 2010/2011 laufen 54 Haupt- und 62 Realschulen aus und zwei Jahre später soll die Umstrukturierung abgeschlossen sein. Berlin folgt damit einem Weg, den kürzlich bereits Bremen und Hamburg beschritten haben. Hamburg schafft nächsten Sommer aus Haupt-, Real- und Gesamtschulen 52 Stadtteilschulen und verlängert die Grundschulzeit von vier auf sechs Jahre. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) geht von einer freiwilligen Umstellung auf "Realschule plus" oder "integrierte Gesamtschule" bis 2013 aus.