Die Berliner Schullandschaft wandelt: Mit den Stimmen der regierenden SPD und der Linkspartei beschloss das Abgeordnetenhaus die Reform der Schulstruktur zum Schuljahr 2010/2011. Dann sollen die bisherigen Gesamt-, Haupt- und Realschulen zu sog. Sekundarschulen integriert werden. Neben den Gymnasien bieten diese dann - soweit sie eine Oberstufe einrichten - in 13 Jahren ebenfalls das Abitur an. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) sprach von "ein(em) historischen Tag für die Berliner Schule". Das neue System schaffe die Voraussetzungen für mehr Chancengleichheit.
CDU und FDP lehnten die Reform als gymnasial-, grund- und freischulfeindlich ab. Die CDU hatte das dreigliedrige System nur durchlässiger machen wollen, laut Zöllner "ein Rückfall in die 50-er Jahre". Die Grünen hatten im Vorfeld viel zur Reform beigetragen, enthielten sich aber mit dem Hinweis auf das vorgesehene Probejahr am Gymnasium. Dieses verstärke die Gefahr der Restschulfunktion der Sekundarschule.
Zustimmung von GEW und IHK
Die Bildungsgewerkschaft GEW begrüßte die Reform als wichtigen Beitrag dafür, den Zusammenhang zwischen Herkunft und ungleichen Bildungschancen aufzubrechen. Auch Landeselternsprecher Andre Schindler und Oberstudiendirektorsprecher Ralf Treptow begrüßten die Reform, letzterer hält sie aber nicht für zu Ende gedacht.
Einhellige Zustimmung kam von der IHK, Handwerkskammern, der Vereinigung der Unternehmensverbände und der Vereinigung der Freien Berufe, die erklärten die Reform stelle die richtigen Weichen. Das Ende der Hauptschule wurde von IHK-Geschäftsführer Jan Eder begrüßt: Sie werde ihrem Namen nicht mehr gerecht und sei "zur Restschule verkommen." Nun muss die Reform nur noch in den Schulen bzw. den Bezirken umgesetzt werden, Stoff für viele kommunalpolitische Debatten.