Der Machtkampf in der Berliner CDU eskaliert. Neben den Rücktrittsforderungen gegenüber Pflüger, gerät nun auch Parteichef Schmitt in die Kritik. „Wenn Pflüger gehen muss, muss er auch gehen“, sagte Stefanie Vogelsang, Kreisvorsitzende in Neukölln. In der Runde der Kreisvorsitzenden scheint sie mit dieser Position aber noch in der Minderheit zu sein. Das mächtigste Gremium der CDU in Berlin wird nach wie vor von Ingo Schmitt beherrscht. In diesem Gremium hatte man in einer stundenlangen Sitzung am Montag einen „Kompromiss“ vereinbart, demzufolge Pflüger auf das Amt des Parteichefs verzichten sollte. Am Morgen nach der Sitzung wollte Pflüger von dieser Vereinbarung allerdings nichts mehr wissen. Er hätte unter großem Druck zugestimmt, sagte Pflüger. „Aber dieser Kompromiss ist faul, und ich stehe für faule Kompromisse nicht zur Verfügung“, so Pflüger weiter. Er hielte es weiterhin für richtig, beide Ämter anzustreben, um damit „die politische Kraft der Union in Berlin zu bündeln“, gab sich Pflüger kämpferisch. Danach hatte der Landeschef der CDU, Ingo Schmitt, Pflüger offen zum Rücktritt aufgefordert.
Neuanfang soll Krise lösen
Eine Ablösung des bisherigen Fraktionsvorsitzenden wird immer wahrscheinlicher. Es gilt als sicher, dass die nötige Zweidrittelmehrheit für die Abwahl des Fraktionschefs zustande kommt. In diesem Fall soll direkt ein Nachfolger gewählt werden. Dafür steht dem Vernehmen nach der bisherige parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion und CDU-Generalsekretär Frank Henkel bereit. Auch Pflügers Stellvertreter Michael Braun, CDU-Kreischef von Steglitz-Zehlendorf wird als möglicher Nachfolge-Kandidat gehandelt. Unklar ist, ob Pflüger im Fall seiner Abwahl auch sein Mandat im Abgeordnetenhaus niederlegen würde. Der 53-Jährige kam Anfang 2006 aus dem Bundestag, als Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, zur Berliner CDU und verlor als ihr Spitzenkandidat die Abgeordnetenhauswahl im selben Jahr gegen Klaus Wowereit.
Den Rücktrittsforderungen schloss sich auch Eberhard Diepgen an. Der ehemalige Regierende Bürgermeister hat angesichts der Krise der Berliner CDU einen generellen Neuanfang in der Partei gefordert. Diepgen will, dass Schmitt und Pflüger gehen. Dabei plädierte Diepgen auch für eine personelle Neuaufstellung. In der RBB-Sendung „Klipp und Klar“ forderte er am Dienstagabend damit indirekt sowohl Fraktionschef Friedbert Pflüger als auch Parteichef Ingo Schmitt zum Rücktritt auf. „Ich hoffe nicht, dass er sich das antut, sich abwählen zu lassen“, sagte Diepgen zur Situation Pflügers.