Alle Seiten in Köln waren sich einig, dass das baulich und technisch veraltete Theater nicht mehr bespielbar ist. Für Abriss und Neubau wurden 300 Millionen, für die Sanierung 270 Millionen Euro veranschlagt. OB Jürgen Roters (SPD) stritt bis zuletzt für eine Neubau-Lösung nach Plänen des JSWD Architekturbüros, die dem Schauspiel "ein eigenständiges Gesicht und Gewicht" gegeben hätte. Auch SPD-Fraktionschef Martin Börschel wollte beim alten Beschluss des Rates bleiben und - wie mit den Grünen vereinbart - das Votum der Bürger bei einem Bürgerentscheid am 11. Juli abwarten. Die CDU sah bei einem Neubau "keinen erkennbaren Vorteil gegenüber einer Sanierung."
Die Initiative "Mut zur Kultur" hatte dann u.a. unterstützt von der Intendantin Karin Beier, vielen Künstlern und Intellektuellen der Stadt, der Partei Die Linke, dem Kölner Bürgerbündnis und "Deine Freunde" rd. 52 000 Unterschriften für die Sanierung gesammelt. Bereits vor der Ratssitzung vorigen Dienstag schwenkte dann Grünen-Chefin Barbara Moritz um, CDU, Grüne und Linke bildeten eine Mehrheit gegen SPD, FDP und OB. Nun wird das Schauspielhaus saniert, die nah gelegene ebenfalls baufällige Oper soll nach den Vorschlägen des Architekturbüros JSWD saniert werden. Ein Runder Tisch mit den Intendanten von Theater und Oper, Personalräten, Bürgerinitiative usw. soll den Sanierungsprozess begleiten.
Rot-Grün will Koalition trotz Verärgerung fortführen
Nach der Abstimmung fand es SPD-Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes "schon traurig, dass die Grünen sich nicht an die Vereinbarung gehalten haben", auch SPD-Fraktionschef Martin Börschel bedauerte das Verhalten der Grünen und sprach von einer "merkwürdigen Allianz gegen die demokratische Entscheidungsfähigkeit der Kölner Bevölkerung", will aber die Koalition fortführen. Grünenchefin Moritz erklärte, sie habe lange für einen Neubau geworben, sich aber "aufgrund neuer Erkenntnisse umentschieden." Die SPD sei "sehr früh" über die neue Tendenz informiert worden, so Moritz. Börschel sei ein "schlechter Verlierer", so die 58-jährige Landtagskandidatin, die aber ebenfalls Rot-Grün fortführen will. Der Verein Mehr Demokratie NRW e.V. lobte die Bürgerinitiative, weil sie ein Kulturthema in den Mittelpunkt der lokalen Debatte gebracht und zur Entscheidung gestellt habe. So seien zu einer von OB Jürgen Roters eingeladenen Veranstaltung zur Zukunft des Theaters rd. 2 000 Bürger/innen ins Rathaus gekommen.