Das CDU-Trio hatte sich bewogen gefühlt, am Mittwoch vor die Presse zu treten, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, die Politiker hätten bereits 2006 von den Vorwürfen gegen Madl gewusst, ihn aber gedeckt. Madl hatte seine Wahlkreismitarbeiterin für 40 Stunden pro Woche angestellt und aus Landesmitteln bezahlt, obwohl sie in der Verwaltungsgemeinschaft „Saalkreis Nord“ bereits eine volle Stelle hatte. „Zu sagen, wir hätten das jahrelang gewusst und verschwiegen, ist schlicht unwahr“, sagte Böhmer auf der Pressekonferenz. Er gab jedoch zu, dass die Arbeit im CDU-Kreisverband von Querelen und zwischenmenschlichen Problemen geprägt gewesen sei. Vorwürfen gegen Madl, die Veruntreuung von Fördergeldern betreffend, sei er nachgegangen.
Als „schwerwiegenden Fehler, als Verfehlung“ bezeichnete CDU-Chef Webel das Verhalten von Madl und Jürgen Scharf versprach: „Madl haftet für seine Fehler.“ Der Fraktionsvorsitzende vollführte damit eine 180-Grad-Wendung, hatte er doch Madl nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe noch als „unverzichtbaren Leistungsträger der Fraktion“ bezeichnet.
Opposition fordert Rücktritt auch im Kreistag
Davon kann nun keine Rede mehr sein. Am Dienstagnachmittag war Madl aus der CDU-Landtagsfraktion ausgetreten und war damit einem förmlichen Ausschluss zuvor gekommen. Der droht ihm nun jedoch bei der Partei. „Ich werde dem Landesvorstand vorschlagen, ein Parteiausschlussverfahren einzuleiten“, erklärte der Landesvorsitzende Webel am Mittwoch und kündigte Beratungen darüber für den kommenden Dienstag an.
Dem politischen Gegner reichen die eingeleiteten Schritte unterdessen nicht aus. So forderten Vertreter verschiedener Parteien Madl auf, auch sein Amt als Vorsitzender des Kreistags Saalekreis aufzugeben. „Herr Madl sollte überlegen, ob er im Kreistag noch gut aufgehoben ist“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Weise. Madl hat sich bislang nur dazu entschieden, sein Amt bis auf weiteres ruhen zu lassen.
Am Dienstag hatte der Landtag die Immunität des Abgeordneten aufgehoben und damit den Weg für staatsanwaltschaftliche Ermittlungen frei gemacht. Die Staatsanwaltschaft Halle hatte diese wegen Betrugs und Untreue angekündigt.
Die Frage
Die Frage wer wann wieviel wusste hat schon so manchen Politiker zu Fall gebracht: "Was wusste der Praesident?" online casino