Mit klarer Mehrheit votierten die CDU-Mitglieder im Kreis Bitburg-Prüm am Montagabend, dass ihr umstrittener Lokalmatador Michael Billen erneut als Landtagsabgeordneter in dem rheinland-pfälzischen Wahlkreis aufgestellt wird. Billen setzte sich gegen die Stadtbürgermeisterin von Prüm, Mathilde Weinandy, durch, obwohl die neue CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner sich für Weinandy eingesetzt hatte. Nachher gab sich Billen versöhnlich und wollte "allen die Hand reichen, um gemeinsam an einem Strang zu ziehen." Julia Klöckner erklärte, sie respektiere die "klassische Basisentscheidung" für Billen und sah sich durch diese nicht beschädigt. Auch CDU-Chef Christian Baldauf akezptierte die Entscheidung, betonte aber, er hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht. SPD-Generalsekretärin Heike Raab sprach von einem "eindeutigen Misstrauensvotum für Julia Klöckner." Der grüne Parteichef Daniel Köbler sprach von einer verspielten Chance der CDU zum Neuanfang in Rheinland-Pfalz.
Billen war nach der sog. Polizeidatenaffäre stark unter Druck geraten: Er hatte aus der Wohnung seiner Tochter, einer Polizistin, geheime Daten zur sog. "Nürburgring-Affäre" entwendet, die Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen gegen ihn. Nach einer Kontroverse mit CDU-Landeschef Baldauf lässt Billen sein Mandat ruhen. Billen hatte vor der Nominierung für einen unerwarteten Eintrittsboom bei der CDU im Kreis Bitburg/Prüm gesorgt: Von Februar bis Mitte Juni gab es einen Anstieg um satte elf Prozent. Im Gegenlager hieß es, Billen habe Unternehmer bewogen, ihre Mitarbeiter zu entsenden. "Alles Quatsch", so Billen zur FAZ: "Es gab eine große Zahl von Leuten außerhalb der Partei, die Solidarität gezeigt haben. Die habe ich dann gefragt, wie weit diese Solidarität denn geht. Da sind dann viele eingetreten." 300 von ihnen hatten zwei Zeitungsanzeigen für Billen geschaltet, wofür sich dieser mit einem Fest mit Spanferkel und Bier bedankt hatte: "Das gehört sich so", so Billen treuherzig. "Immerhin haben die Leute ja die Zeitungsanzeigen für 1 500 Euro aus der eigenen Tasche bezahlt." Kurt Beck wurde gerade mit 98,5 Prozent als SPD-Chef bestätigt - und Herausforderin Julia Klöckner hat plötzlich ein Autoritätsproblem.