In Deutschland werden zu wenig Mittel für Bildung ausgegeben, zu wenig Akademiker produziert und man hinkt im internationalen Vergleich immer weiter hinterher. So kann man die Erkenntnisse der Studie zur Bildungssituation der OECD, die am Dienstag veröffentlicht wurde, zusammenfassen. OECD-Direktorin Barbara Ischinger warnte davor, Investitionen in Bildung auf die lange Bank zu schieben: „Wenn Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgehen will, ist jetzt der Zeitpunkt, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren.“
Sowohl bei der Zahl der Abschlüsse eines Hoch- oder Fachschulstudiums wie auch bei den Ausgaben für Bildung liegt Deutschland weit zurück. Inzwischen schließen 23 Prozent eines Jahrgangs ein Studium ab, eine Zahl die deutlich gestiegen ist, aber immer noch weit unter dem OECD-Durchschnitt von 36 Prozent. Für Bildung gibt Deutschland nur 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, nur Spanien, Irland, die Türkei und die Slowakei liegen noch darunter. Auch bei den Studienanfängern liegt Deutschland mit 34 Prozent weit hinter dem OECD-Durchschnitt von 56 Prozent.
Studium bietet guten Schutz gegen Arbeitslosigkeit
Dabei bietet gerade in Deutschland ein Studium einen starken Schutz gegen Arbeitslosigkeit. Zudem können hierzulande Männer mit akademischer Bildung mit 150 000 Euro Mehrverdienst in ihrem Erwerbsleben rechnen, Frauen müssen mit wesentlich weniger rechnen. Dies zeigt die nach wie vor großen Geschlechtsunterschiede auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
Aber die Studie stellt auch gute Aspekte in Deutschland vor: zum einen steigt die Zahl der Studienanfänger und Studienabschlüsse, wenn auch noch nicht der Durchschnitt erreicht wurde. Ein Bereich, in dem Deutschland gut dasteht, ist die Zahl der Studienabbrecher, die mit 23 Prozent immer noch hoch ist, aber klar unter dem OECD-Durchschnitt von 31 Prozent liegt.
Der Berliner Senat tut was für Bildung
Am selbem Tag, an dem die OECD-Studie vorgestellt wurde, wurde der Berliner Senat doppelt als Bildungsreformer aktiv, in dem er drei betragsfreie Kita-Jahre und die Einführung des zweigliedrigen Schulsystems beschloss. Wenn die Koalitionsfraktionen dem ersten Entwurf von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) zustimmen, wird der Besuch einer Kita für Kinder zwischen drei und sechs Jahren künftig kostenfrei sein. Am meisten profitieren davon einkommensstarke Familien, denn für diese liegt der Beitrag um die 400 bis 450 Euro.
Doch in Koalition wie Opposition war die Gebührenfreiheit umstritten. Viele forderten wie die Linkspartei, das Geld in die Verbesserungen der Kitas zu investieren. „Qualität bleibt (sonst) außen vor“ mahnte Elfi Jantzen, familienpolitische Sprecherin der Grünen.
Weiter beschloss der Senat einen Gesetzentwurf zur Einführung eines zweigliedrigen Schulsystems, nach dem es ab dem Schuljahr 2011/2012 nur noch Gymnasien und die neue Integrierte Sekundarschule geben soll. An beiden besteht die Möglichkeit, das Abitur zu machen, mit dem Unterschied das es auf der Sekundarschule ein Jahr länger dauert. Auch sollen dann die Eltern entscheiden, ob ihr Kind das Gymnasium oder die Sekundarschule besuchen soll. Nun muss nur noch das Abgeordnetenhaus den Entwurf beschließen.