Beim Ausbau von Kita- und Krippenplätzern für Kleinkinder hat Deutschland in den letzten Jahren Fortschritte gemacht, bleibt aber international bisher bestenfalls Mittelmaß. Dies zeigt eine OECD-Studie, die 25 Industrieländer anhand von zehn Kriterien bzw. Mindeststandards untersucht hat. Diese reichen von einem Jahr Elternzeit, über einen Nationalen Aktionsplan für benachteiligte Kinder bis hin zu einem Mindestpersonalschlüssel von einem/er Erzieher/in pro 15 Kinder und 1 Prozent des Bruttoinlandspordukts für die Kindergärten. Dabei liegt als einziges Land Schweden mit zehn erfüllten Kriterien vor, weitere skandinavische Länder und Frankreich (9-8) führen die Liste an, Deutschland liegt mit fünf Kriterien gemeinsam mit Österreich, GB und den Niederlanden im Mittelfeld und mit USA (3), Australien (2) und Kanada sowie Irland (je 1) liegen angelsächsische Länder ganz hinten. Dabei sind die Bedingungen in Deutschland noch einmal nach Ländern verschieden: während nämlich in den ostdeutschen Ländern jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz hat, ist es z.B. in Niedersachsen nur jedes 20. Kind.
Die Studie berücksichtigt noch nicht die deutschen Pläne, bis 2013 jedem dritten Kind unter drei Jahren einen Platz anzubieten. Bisher weist das Land mit Österreich und Ungarn die niedrigsten Werte aller Staaten auf. Weiter sehen die Autoren große Defizite bei Ausbildung und Bezahlung der Betreuungskräfte sowie bei der Fürsorge für arme Kinder. Eine Studie von Katharina Spieß vom Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) weist nach, dass gerade arme und Migrantenkinder hierzulande nicht in den Genuss der Betreuungsangebote kommen, die laut OECD-Studie besonders wichtig sind, um soziale Benachteiligungen zu verringern. Diese Ergebnisse bezeichnete Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) als "wenig überraschend". Sie lieferten aber gute Argumente, um beim Ausbau der Kleinkindbetreuung hartnäckig zu bleiben. "Besser werden müssen wir unbedingt bei der Betreuung von kleinen Kindern und bei der Qualifizierung von Tagesmüttern und Erziehern," so die Ministerin. Das Deutschland im Mittelfeld liege, sei dem Elterngeld und der guten Betreuung der ab Vierjährigen zu verdanken. Verdi-Chef Frank Bsirske forderte bessere Rahmenbedingungen und Bezahlung für Kitapersonal: Kein Kind dürfe zurück bleiben.
Quellen: Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung, Die Welt vom 12. Dezember