Dortmund, zweitgrößte Stadt in NRW und laut Herbert Wehner "Herzkammer der Sozialdemokratie", bleibt rot - im Rathaus, im Rat und in den städtischen Bilanzen. Am Sonntag gewann der SPD-Kandidat und Stadtdirektor Ulrich Sierau mit 45,5 Prozent klar die OB-Wahl gegen den von CDU und FDP unterstützten Joachim Pohlmann mit 36,2 Prozent, den grünen Mario Krüger (9 Prozent) und den linken Helmut Manz (4,5 Prozent).
Auch bei der Ratswahl lag die SPD klar vorn: mit 37,8 Prozent und 37 Sitzen vor der CDU (28,7 Prozent und 28 Sitze), den Grünen (15,4 und 15), der FDP (6,3 und 6), den Linken (4,5 und 5) und weiteren fünf sitzen (u.a. je einen für NPD und DVU). Der bisherige SPD-Fraktionsvorsitzende Ernst Prüsse wurde gleich nach der Wahl in seinem Amt bestätigt. Vor der Wahl hatte die SPD-Fraktion ihre Leistungsbilanz herausgegeben ("Versprochen -gehalten. Das neue Dortmund auf dem Weg in eine solidarische und innovative Zukunft" bei der Fraktion erhältlich, Tel. 0231/574513 oder -14 oder per mail bei: fraktion@spd-fraktion-dortmund.de).
Finanzlöcher in zweistelliger Millionenhöhe
Dann wurde es heftig: Einen Tag nach der Kommunalwahl verkündeten Kämmerin Christiane Uthemann und OB Gerhard Langemeyer eine Haushaltssperre wegen Finanzlöchern in gut zweistelliger Millionenhöhe. Für FDP-Fraktionsvize Thomas Reinhold "eine Sauerei", CDU-Fraktionschef Frank Hengstenberg will prüfen lassen, ob die Kämmerin disziplinarisch belangt werden kann und redete von einem schwarz-gelb-grünen Bündnis gegen die "Arroganz der Macht" und der Arnsberger CDU-Regierungspräsident Helmut Diegel fühlte sich "hintergangen". Für ihn sei jeder Gesprächsfaden zum amtierenden Dortmunder OB "endgültig gerissen". Er lud die Kämmerin von einem Gespräch aus und behielt sich ausdrücklich disziplinarische Maßnahmen vor.
Auf einer eilends anberaumten Pressekonferenz nannte der künftige OB Sierau die Situation "eine extreme Belastung". Als Stadtdirektor habe er von der genauen Misere im Haushalt nichts gewusst. Er sehe eine "Kommunikationspanne". Grüne und CDU schimpfen auch auf Landesebene: für die grüne Landessprecherin Daniela Schreckenburger, die aus Dortmund kommt, ist das Ereignis "ein handfester Skandal", CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst sprach von "einem beispiellosen Betrug".