Es fing am Dienstagmorgen mit Erstaunen in der FDP-Fraktion an, als das Büro des Abgeordneten Rainer-Michael Lehmann plötzlich ausgeräumt war. Der sozialpolitische Sprecher hatte in der Nacht sein Büro geleert und darauf hin seinen Fraktions- und Parteiaustritt in einem Brief mitgeteilt. Gleichzeitig hatte Lehmann bei der SPD einen Mitgliedsantrag gestellt. Vom FDP-Landesvorsitzenden Markus Löning gab es noch herbe Worte an Lehmann und die Aufforderung nach Rückgabe seines Berliner-Pankower Mandates, wo Lehmann bisher FDP-Kreisvorsitzender war. Lehmann gab als Grund an, dass die "soziale Kälte" und die "Überbetonung des Leistungsgedankens" in der FPD-Fraktion ihm unerträglich geworden war. Insider wiesen darauf hin, dass der sozialliberale Lehmann als Anhänger des gescheiterten Berliner Fraktionschefs Martin Lindner nicht mehr in das Konzept des neuen Fraktionschefs Christoph Meyer passte, der ihn als Fraktionsvize entmachtete.
Die SPD hat ein Mandat gewonnen und eins verloren
An demselben Tag, an dem sie ein Pankower Mandat gewann, verlor die SPD ein anderes: nämlich das von Ralf Hillenberg. Dieser, seit 1991 für Berliner SPD im Abgeordnetenhaus, war nach einer vierstündigen Beratung in der SPD-Fraktion auf Drängen der Partei und vieler Fraktionskolleginnen und -kollegen aus der Fraktion ausgetreten. Zuvor war Hillenberg wegen Verwicklungen um vergabefreie Aufträge an seine Baufirma ins Zwielicht geraten, während er Vizevorsitzender des Bauausschusses war. Zwar hatte der Politiker beteuert, er habe zu keiner Zeit wissentlich gegen Vergaberichtlinien des Berliner Senats verstoßen". Tatsächlich hatte Hillenberg sogar einen Antrag auf Verzicht auf die Vergaberegeln eingebracht, als ihn ein SPD-Bezirksbürgermeister darauf hinwies. Der Berliner Senat hatte die beiden Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE, die Hillenberg mehrfach vergabefrei beauftragt hatte, umgehend entlassen. SPD-Fraktionschef Michael Müller bat ihn, sein Mandat für einen Nachrücker frei zumachen. Aber Hillenberg erklärte er, wolle um die Wiederherstellung seines Rufes kämpfen und will sein Mandat behalten.