Die Reaktion der Bundesregierung auf den Zweiten Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) kam prompt: Ein Förderprogramm soll nun der E-Mobilität unter die Armen greifen. Geplant ist unter anderem, mehr Geld für die Forschung und Entwicklung von Elektroautos bereitzustellen. Das Ziel der Bundesregierung, mehr Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen, wird vom VKU begrüßt: Die kommunalen Unternehmen stünden bereit, ihren Beitrag zur Erreichung eines Leitmarktes in der Bundesrepublik zu leisten und die Elektromobilität für die Bevölkerung nutzbar zu machen. VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck mahnt jedoch an: „Der VKU sollte als führender Verband der Kommunalwirtschaft und als Vertreter von rund 1.400 kommunalen Unternehmen in das Konzept zur Weiterentwicklung der NPE einbezogen werden.“
Ohne Infrastruktur geht der Saft aus
Denn: „Ohne eine bedarfsgerechte Infrastruktur und integrierte Mobilitätskonzepte haben Elektroautos keine Chance“, weist Reck auf Probleme bei der Versorgung mit „Elektro-Zapfsäulen“ hin. Nur wenn es ausreichende und sinnvoll verteilte Möglichkeiten gäbe, die neuen Vehikel auch zu „betranken“, hätte sie ein Chance im Wettbewerb.
Dabei kommt den Städten und Gemeinden, den kommunalen Verkehrsunternehmen und Energieversorgern eine Schlüsselrolle zu. Denn Elektromobilität findet vor Ort statt: Kommunale Unternehmen beteiligen sich schon seit langem aktiv in der NPE sowie in den verschiedenen Modellregionen und -projekten der Bundesregierung, bekräftigt Reck.
Klimaschutz sieht anders aus
Die deutschen Umweltverbände sind sich indes sicher: Mit dem Ziel der Regierung, die Zahl der Elektrofahrzeuge bis 2020 auf eine Million ansteigen zu lassen, sei nicht viel gewonnen. Circa 2 300 dieser Fahrzeuge gibt es bisher in Deutschland – ihre Zahl müsste also um mehr als das 400-fache steigen. Und dennoch: Bei derzeit etwa 57 Millionen Fahrzeugen wirkt das Ziel, einen Anteil von nicht einmal zwei Prozent der Fahrzeuge mit Elektromotor fahren zu lassen, nicht sonderlich revolutionär.
Dass mit weniger Fördergeld und bereits existierender Technik mehr für das Klima erreicht werden kann, steht für Greenpeace fest: „Die Frage, ob das Auto mit Elektroantrieb oder mit Biogas fährt, bleibt solange sekundär, wie die Autoindustrie weiter große und ineffiziente Fahrzeuge baut. Mit ihrem Forderungskatalog nach mehr Elektroautos zeigen die Lobbyisten der NPE, dass es ihnen allein um Systemerhalt geht,“ sagt Wolfgang Lohbeck, Klima- und Verkehrsexperte der Organisation. Gefragt sei aber ein neues Gesamtkonzept von Mobilität.
Auch im Bereich des Hybrid-Antriebs gibt es ausgereifte Techniken. Allerdings nicht von deutschen Anbietern. Diese greifen Ideen zur Spritspartechnik allgemein nur sehr zögerlich auf. Somit stellt sich die Frage, ob die beschlossenen Fördermaßnahmen nicht vor allem der deutschen Wirtschaft dienen sollen. Hinzu kommt: Fällt der Atomstrom in Zukunft als Energiequelle weg, so wird der Klimakiller Kohle künftig die Batterien in den Fahrzeugen aufladen – keine gute CO2-Bilanz für ein Elektroauto.