Ertingen war eine der ersten Gemeinden des Landkreises, die eine Ganztagsschule auf Grundlage eines Ministerialerlasses einführte. Seit diesem Start begann Ertingen vor rund zehn Jahren seine bildungspolitische Vorreiterrolle weiter auszubauen. So werden die Schüler mit Konzepten zur Gewaltprävention oder Ernährung für aktuelle Themen sensibilisiert. Mit Erfolg, wie ein kreisweiter Vergleich offenbart: Als einzige kann die Ertinger Gesamtschule in allen Kategorien mit der Bestwertung aufwarten. Wer aber denkt, die Sache erschöpfe sich im Regionalen, irrt. Denn auch im bundesweiten „Bildungswettbewerb“ ist die Schule mit dabei.
Die Berufsfindung und -vorbereitung ist Schwerpunkt der Gesamtschule. Somit steht es ihr gut zu Gesicht, dass die Schüler der achten und neunten Klassen zwei Wochen lang eine „zertifizierte Ausbildung“ in Meisterbetrieben absolvieren können. Parallel dazu gehen alle Schüler ein ganzes Schuljahr hindurch einmal wöchentlich – zusätzlich zum Unterricht – in einen Betrieb. Diese Orientierungsphasen gibt es bisher nur an wenigen Schulen Deutschlands.
Nach Jung kommt Alt – und für alle schön warm bitte
Doch kümmert sich die Politik nicht allein um die Jüngsten: Auch die älteren Semester sind gut aufgehoben. Denn als letzte Gemeinde im Landkreis Biberach betreibt Ertingen noch in eigener Trägerschaft ein Alten- und Altenpflegeheim. Erst 2003 hatte die Stadt das Seniorenzentrum um 52 Eigentumswohnungen erweitert. Die Einrichtung ist zertifiziert und über ein vorbildliches ehrenamtliches Engagement in die Gemeinschaft des Ortes integriert.
Übrigens ist sowohl die Schule, als auch das Seniorenheim an das Fernwärmenetz angeschlossen. Das Netz vorsorgt überdies noch weitere Einrichtungen der öffentlichen Infrastruktur. So sind auch das Hallenbad, die Kultur- und Sporthalle und der Kindergarten mit umweltfreundlicher Fernwärme geheizt.
Umweltschutze durch Biogas – ab in die Zukunft
Die Fernwärme ist aber nur ein Nebenprodukt. Angefangen hat alles mit einer Biogasanlage, die innerhalb eines Jahres entstanden ist. Sie wird von fünf Landwirten betrieben und versorgt acht von 14 öffentlichen Gebäuden mit alternativer Energie. Dies entspricht rund 65 Prozent des kommunalen Energiebedarfs und bringt so auch mehr Unabhängigkeit von steigenden Energiekosten mit sich. Die Wertschöpfung bleibt vor Ort, die Landwirtschaft wird unterstützt und alle gemeinsam sparen fast 900 Tonnen CO2 ein. Neben dem Umweltschutz bleibt somit auch der ein oder andere Euro übrig, der sich investieren lässt.
Dass die Zukunft in Ertingen gestaltet werden soll, ist offensichtlich. Hier will man sich weder überrollen noch abhängen lassen. Darum werden gerade parallel zu der Fernwärmeleitung Glasfaserleerrohre verlegt. Die sind Teil des kommunalen Breitbandkonzeptes, das im Zuge eines modellhaften Vorhabens über die Breitbandlinie des Landes bezuschusst wird. „Fiber to the Home“ (FTTH) ist das Schlagwort. Gemeint ist die direkte Versorgung von Gewerbebetrieben mit der Glasfasertechnologie. Gerade im ländlichen Raum ein erheblicher Standortfaktor.
So aufgestellt kann sich Ertingen entspannt und selbstbewusst der Unterhaltung hingeben. Ein Musikfest scheint da ideal – die regionalen Musikfestwochen kommen wie gerufen. Bürgermeister Alexander Leitz freut sich schon. Er ist Vorsitzender der Musikfestwochen Donau-Oberschwaben. Und eines ist somit endgültig klar: Ertingen – in dieser Gemeinde ist Musik drin.