Im Berliner Stadtteil Neukölln rechnet Stadtrat Falko Liecke (CDU) damit, dass dem Land Berlin seit Mitte 2008 ein Schaden von etwa fünf Millionen Euro durch Scheinvaterschaften entstanden ist. Allein in Neukölln wird beim Rechtsamt in 50 Fällen ermittelt. Dabei liegen bereits 28 Verfahren beim zuständigen Amtsgericht.
Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) redet von "organisierter Kriminalität". Die Behörden wurden aufmerksam, weil die Väter keine "sozial familiären Verbindungen" zu Mutter und Kind haben sowie Namen und Geburtsdatum des Kinds nicht kennen. Liecke beklagt, dass es keine "einheitliche Regelung gibt", wobei es schon Anforderungen an den Berliner Senat gab, eine zentrale Ermittlungsstelle einzurichten. Auch hätte der Stadtrat gerne, dass die Gerichte viel öfter Gentests anordnen würden.
Laut Behördenangaben soll der Marktpreis 1 000 bis 5 000 Euro sein für das Übernehmen einer Vaterschaft ohne weitere Verpflichtungen. Vor allem vermuten die Standes- und Rechtsämter, dass unverheiratete Mütter aus Vietnam, Bosnien, Serbien, der Ukraine oder Syrien fälschlicherweise einen Deutschen als biologischen Vater angeben.
Während in Neukölln ein scharfer Kurs gegen den Schwindel gefahren wird, wird in Marzahn-Hellersdorf "das Wohl des Kindes" sehr hoch gesetzt, erklärt Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke). Pohle will die Kinder nicht aus ihre sozialen Umgebung herausreißen.