FDP und CDU hatten gut lachen nach der Wahl des Sozialbürgermeisters im Stuttgarter Rat. Die CDU, die bereits den OB und drei Bürgermeister stellt, wehrte gemeinsam mit der FDP den Versuch der Grünen ab, ihren Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Wölfle als zweiten Bürgermeister wählen zu lassen. Dabei sind seit der Kommunalwahl 2009 die Grünen knapp stärkste Fraktion vor der CDU und der SPD. Dies verdanken sie v.a. Wölfle, der das Thema "Stuttgart 21" als Wahlschlager entdeckte, damit Stimmenkönig bei der Kommunalwahl, aber auch zur Zielscheibe heftiger Kritik vieler in CDU, FDP und SPD wurde.
Wölfle, der bei seiner Wahl wegen Befangenheit nicht mitwählen konnte, sprach von der "größten menschlichen Enttäuschung meines politischen Lebens". Er ärgerte sich, das die Fraktionschefs von CDU und FDP ihm nachher empfahlen, er solle die Niederlage sportlich nehmen, obwohl beide Parteien gegen das Gewohnheitsrecht des Vorschlagsrechts verstoßen hatten, das den Grünen als stärkster Fraktion zustand. FDP-Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch geht Ende August in Pension. Nun folgt ihr Parteifreundin Isabel Fezer zum 1. September. Die Grünen machten klar, dass sie sich nicht mehr an die Absprachen gebunden fühlen und daher z.B. Kämmerer Michael Föll (CDU) 2011 nicht mitwählen werden. Offen ist das Votum der SPD, deren Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind Wölfle als klugen Kopf einschätzt, dem manche Ratsfrau und Ratsherr allerdings seine Opposition gegen Stuttgart 21 verübelt haben. Der zweite grüne Fraktionschef Muhterem Aras sah "den Bürgerwillen mit Füßen getreten" und ärgerte sich über OB Wolfgang Schuster (CDU), der sich nicht für Wölfle eingesetzt hatte. Läge ihm der Sozialbereich am Herzen, so Aras, hätte sich Schuster für den langjährigen Caritas-Mitarbeiter starkmachen müssen. Er habe sich aber "für soziale Kälte entschieden." Künftig wird es im Stuttgarter Rat, indem das linke Lager aus Grünen, SPD, Linkspartei und SÖS eine Stimme Mehrheit besitzt, nicht mehr so friedlich zugehen wie bisher. Die Grünen lehnten gleich darauf in knappen Worten den Vorschlag des CDU-Kämmerers ab, das städtische Weingut zu privatisieren. Die Zeit der unerklärten Vielparteienkoalition scheint vorbei zu sein und OB Schuster "hat den Laden nicht mehr im Griff".