In Hamburg beschloss die schwarz-grüne Koalition gestern mit ihrer Mehrheit die wohl umfassendste Schulreform in der Geschichte der Bundesrepublik: Vom Schuljahr 2010/2011 ersetzt die Hansestadt die bisher vierjährige Grundschule durch eine sechsjährige Primarschule. Zudem werden anstelle von Gesamt-, Haupt- und Realschulen sog. Stadtteilschulen gebildet, die innerhalb von dreizehn Jahren alle Bildungsabschlüsse anbieten. Die Gymnasien führen dagegen wie bisher in zwölf Jahren bis zur Hochschulreife.
Vor einer ähnlichen Reform warnen im Saarland die Gymnasialdirektoren: Hier war die vierjährige Grundschule in eine sechsjährige Primarschule umgewandelt worden, in der sowohl Grundschullehrer wie solche aus weiterführenden Schulen unterrichten. An der Saar treten SPD, Linkspartei und Grüne für die sechsjährige Grundschule ein, allerdings bedürfte diese einer Änderung der Landesverfassung. CDU und SPD hatten 1996 die bisherige Schulstruktur festgeschrieben. Nun warnt die Gymnasialllobby die CDU, eine Zustimmung zu einer Verfassungsänderung im Falle einer Regierungsbildung mit den Grünen würde einen Eindruck von "Verrat" und "Wahlbetrug" erwecken. Die Grünen wollen am Sonntag entscheiden, ob sie mit SPD und Linkspartei oder mit der am 30. August geschlagenen CDU von MP Peter Müller koalieren wollen.