DEMO: Hamburg ist Modellregion für Elektromobilität. Welche Rolle spielt dabei der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV)?
Christoph Kreienbaum: Im Förderprogramm ist die Beschaffung von insgesamt bis zu zehn Dieselhybridbussen mit seriellem Antrieb vorgesehen. Zwei solche Dieselhybridbusse sind bereits im Einsatz, weitere folgen im Frühjahr 2011. Hinzu kommen ergänzende Projekte, wie z.B. intermodale Serviceangebote mit Elektrofahrzeugen. Alle Projekte sind so angelegt, dass öffentlicher Verkehr und elektrisierter Individualverkehr keine Konkurrenz machen sollen.
Bis vor kurzem fuhren in Hamburg Wasserstoffbusse. Sie waren bei den Hamburgern sehr beliebt. Nun ist das vorbei, warum?
Über sechs Jahre lief ein erfolgreicher Versuch mit Brennstoffzellenbussen der ersten Generation. Mit geringer Geräuschentwicklung, höherem Fahrkomfort und „zero emissions“ unterwegs zu sein, hat die Busse zu einem wichtigen Zukunftsprojekt mit Signalcharakter in Hamburg gemacht. Aktuell werden seit September 2010 die Brennstoffzellenbusse der zweiten Generation erprobt. Von diesen wird die Hochbahn ab Frühjahr 2011 ebenfalls bis zu zehn Fahrzeuge beschaffen.
Welche Rolle wird Wasserstoff als Antrieb von Bussen in Zukunft spielen?
Busunternehmen setzen ihre Fahrzeuge meist etwa 12 - 14 Jahre ein. Zusätzlich brauchen wir noch etwa 5 Jahre für die vollständige Praxistauglichkeit der Brennstoffzellentechnologie. Diese Vorlaufzeiträume von ca. 17-19 Jahren müssen bei der Umstellung der Busflotte berücksichtigt werden. Die Strategie der Hochbahn unter anderen auf der Annahme, dass in der dreißiger Jahren Dieseltreibstoffe zu kostspielig sind, um im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt zu werden. Mit der Brennstoffzelle sind wir auf die notwendige Umwandlung der Flotte bei etwa 2030 ausgerichtet.
Busflotten können aus betriebswirtschaftlichen Gründen, z.B Investitionskosten und um Know-how angemessen wachsen zu lassen, nur sukzessive in eine neue Technologie gebracht werden. Daher besteht bereits heute Handlungsbedarf bei der Umstellung auf neue Antriebstechnologien und Energiespeicher. Zudem ist es aus Gründen des Klimaschutzes dringend erforderlich, emissionsarme Fahrzeuge/Busse in unseren Städten einzusetzen. Den Klimakiller CO2 können aber nur elektrische Antriebe vermeiden Elektroantriebe haben zudem den Vorteil, dass sie Lärm vermeiden.
Die Wasserstoffbusse wurden von Dieselhybridbussen abgelöst. Warum?
Es handelt sich nicht um eine Ablösung, sondern vielmehr um eine gegenseitige Ergänzung. Die neuen Dieselhybridbusse (DHB) und Brennstoffzellenbusse (BHB) unterscheiden sich technisch nur wenig. Beides sind elektrisch angetriebene Fahrzeuge, die aus der Batterie mit Strom versorgt werden. Beim DHB wird die Batterie mittels des Diesel-Generators aufgeladen, beim BHB mit der Brennstoffzelle. Ab circa 2020 stellt sich Hamburger Hochbahn verstärkt auf Brennstoffzellenbusse ein, da diese vollständig emissionsfrei sind, wenn der Wasserstoff aus erneuerbarer Energie stammt. Serielle Dieselhybridbusse sind ein guter Schritt auf dem Weg dorthin, weil sie bereits auf Streckenabschnitten von mehreren Kilometern rein elektrisch, emissionsfrei und leise fahren können.
Bedeutet das eine Rückkehr zu fossilen Brennstoffen?
Nein, im Gegenteil. Die Hochbahn verfolgt eine klare und auf Umsetzung orientierte Strategie für elektrische Antriebe auch bei Bussen. Damit fördert sie technologische Wertschöpfung in Deutschland, das Erreichen der Klimaschutzziele und stärkt die Attraktivität des ÖPNV.
Die Bundesregierung unterstützt die Hochbahn mit Fördermitteln. Wie hoch sind diese?
Beabsichtigt ist eine Förderung von rund 2.5 Millionen Euro für die Dieselhybridbusse und circa 11 Millionen Euro für Brennstoffzellenbusse.
Interview Susanne Dohrn