Andrea Ypsilanti hatte auf dem Landesparteitag im idyllischen Rotenburg an
der Fulda die Lacher auf ihrer Seite: Die inzwischen gescheiterte
CSU-Generalsekretärin Christine Hadertauer hatte sie mit Rotkäppchen im Wald
verglichen, auf das der böse Wolf Lafontaine warte. Unter dem Jubel der
Genossen korrigierte sie Ypsilanti: "Wir Hessen kenne die Märchen der
Gebrüder Grimm und wissen daher, wer am Ende übrig blieb: Das Rotkäppchen,
nicht der Wolf." Gut lachen hatte die Landes- und Fraktionsvorsitzende der
hessischen SPD auch deshalb, weil die hessische Basis ihr mit über 98
Prozent auf dem Weg zu einer rot-grünen, von der Linken tolerierten
Minderheitsregierung folgte. Zuvor waren bereits Probeabstimmungen in den
Fraktionen von SPD, Grünen und Linker positiv verlaufen.
Ypsilanti räumte ein, man habe im Frühjahr zu hastig versucht, den Schwenk
nach links durchzuführen. Angesichts des besten SPD-Ergebnisses aller
Landesverbände seit Jahren verbat sie sich aber Belehrungen von weniger
erfolgreichen Genossen. Nun gelte es, die Soziale Moderne in Hessen
einzuleiten. Dazu gehörten die Energiewende, die sie ausdrücklich mit
Hermann Scheer als Minister verknüpfte, die Bildungswende hin zu gemeinsamer
Ganztagsschule, der Kampf für Mindestlöhne, aber auch für moderne
Infrastrukturprojekte wie den Ausbau des Frankfurter Flughafens und in
Kassel-Calden (was später auch Kassels OB Bertram Hilgen bekräftigte).
Nachdem die CDU abgewirtschaftet und die FDP sich brüsk verweigert habe, sei
dieser Weg unumgänglich geworden, Neuwahlen nur das letzte Mittel. Die
Verhandlungen würden kein Herbstspaziergang, so Ypsilanti, aber Fortschritt
für Hessen sei möglich, ein erfolgreiches Hessen würde der Bundes-SPD und
Frank-Walter Steinmeier nicht schaden, sondern nützen. In diesem Sinne hatte
sich zuvor auch der Baunataler Bürgermeister und Vorsitzender der SPD
Hessen-Nord, Manfred Schaub, geäußert: Man müsse die Gelegenheit beim
Schopfe packen, das Land wieder nach vorn zu bringen. Dies bekräftigte auch
der Hessen-Split in der DEMO, der auf acht Seiten die Unterstützung der
Kommunalen für den Kurs der Landesvorsitzenden dokumentiert und auch beim
SPD-Landesvorstand auf großes Interesse und Zustimmung stieß.