Der 60-jährige rheinische Sozialdemokrat, frühere Kölner Polizei- und spätere Regierungspräsident Jürgen Roters ist neuer Oberbürgermeister der Millionenstadt am Rhein. Roters erhielt gestern im Kölner Rathaus von seinem Amtsvorgänger Fritz Schramma (CDU) die Rathausschlüssel übergeben. Schramma, der Köln fast zehn Jahre lang regiert hatte, war wegen des verheerenden Krisenmanagements nach dem Einsturz des Stadtarchivs nicht wieder angetreten und Roters hatte am 30. August 2009 die Direktwahl gegen den CDU-Kanddiaten Peter Kurth mit 55 Prozent klar gewonnen.
Nun wünschte Schramma seinem Nachfolger eine glückliche Hand und Roters dankte ihm für einen "sehr professionellen, vertrauensvollen Übergang." Er spüre, so Roters, eine Aufbruchstimmung und die Bereitschaft vieler sich zu engagieren, in der Stadt.
Geltung und Renommee von Köln verbessern
Roters sieht es als eine seiner Hauptaufgaben, Geltung und Renommee der viertgrößten deutschen Stadt zu verbesern. Die Stadt ist in Verruf geraten durch Affären bei der Finanzierung öffentlicher Bauten über private Investoren wie die neuen Messehallen über den sog. Sal-Esch-Fonds. Außerdem gab es immer wieder sechsstellige Beraterhonorare für Kölner Lokalpolitiker an die Sparkasse ohne erkennbare Gegenleistung. Die Sparkasse macht erhebliche Verluste, gegen ihren früheren Vorstandschef Gustav Adolf Schröder wird wegen Untreue ermittelt.
Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Frühjahr diesen Jahres förderte dann eine Vielzahl von Fehlern und Pannen zutage und beendete schließlich die Dominanz der CDU, die seit dem Parteispendenskandal 1999, der u,.a. den SPD-Kandidaten Klaus Heugel die Kandidatur kostete, die Stadt regiert hatte. Wie sich heraus stellte, war die CDU keineswegs "sauberer" gewesen als die Kölner Genossen, die sich mit Stadtchef Jochen Ott und Fraktionschef Martin Börsch komplett neu aufstellten und heute wieder die stärkste Ratsfraktion stellen, die mit den Grünen knapp die Mehrheit hat.
Die Strukturen der Stadt neu sortieren
Der Verwaltungsfachmann Roters (1995 bis 1999 Polizei- und 1999 bis 2005 Regierungspräsident) steht nun vor der Aufgabe, die Strukturen der Stadt neu zu sortieren. Der Marathonläufer (Bestzeit drei Stunden und vier Minuten) muss sich auf vielen Baustellen tummeln: So explodieren die Kosten für die Sanierung der Oper, die Kulturszene in Köln droht nach Meinung vieler Beobachter in lokale Beliebigkeit abzurutschen, die Wirtschaft leidet unter Strukturproblemen und der Finanzkrise und im nächsten Haushalt klafft ein Loch von immerhin 351 Millionen Euro. Roters will dagegen "mit einer Mischung aus sozialer Verantwortung und wirtschaftspolitischer Innovationsfähigkeit punkten" (Susana dos Santos-Hermann in DEMO 10/2009).
Gestern und heute nehmen in 23 nordrhein-westfälischen Großstädten die neu gewählten OB ihre Arbeit auf, davon sind elf neu im Amt, so z.B. Reinhard Paß (SPD) in Essen, Pit Clausen in Bielefeld, Jürgen Nimpsch (SPD) in Bonn, Ulrich Sierau (SPD) in Dortmund, Markus Lewe (CDU) in Münster und Marcel Philipp (CDU) in Aachen. Weitere neue OB gibt es in Bottrop, Hagen, Leverkusen und Solingen.