Angesichts der kommunalen Finanznöte stellt Kiels SPD-OB Torsten Albig die Bundesländer in Frage. In mehreren Interviews ärgert sich der frühere Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, der Anfang 2009 zum Kieler OB gewählt wurde, dass Kommunen "nur als Restgrößen behandelt werden". Statt dass Kommunen am Ende der Steuerkette mit dem zurechtkommen müssten, was sie bekommen, meint Albig, sollte man erst definieren, was wirklich wichtig ist und dann den Kommunen dafür Geld bereit stellen.
Dazu zählt für ihn nicht, dass es 16 Bundesländer gibt; so würde ein Bundeskultusministerium, dass die bundesweit vergleichbaren Lehrpläne aufstellt, genügen, erläutert Albig. Die Finanzaufsicht der Länder, die ihren eigenen Etat nicht im Griff hätten, ist für ihn ein Anachronismus des 19. Jahrhunderts. Die Kommunen seien "die Mitte des Landes", erhielten aber von den Ländern immer schlechtere Konditionen als bei direkten Gesprächen mit dem Bund. Der wiederum beschließe finanzwirksame Gesetze ohne Rücksicht auf die finanzielle Umsetzungsfähigkeit der Kommunen.
Albig legt sich auch mit seinem Landeschef Peter Harry Carstensen an: Das kleine Schleswig-Holstein leiste sich 1 116 Kommunen, das sei "einfach zu kostspielig und beinahe irrwitzig". Im Norden, so Albig, könnten Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu einem Nordstaat verschmelzen, bundesweit würden vier Länder ausreichen. So lange auch im armen Norden alle Fusionspläne an den Politikeliten scheiterten, müssten die Kommunen enger kooperieren. Verhalle jedoch sein Appell zur Veränderung weiter ungehört, droht er "mit einer Art zivilen Ungehorsams": Man werde "irgendwann Aufgaben, zu denen wir eigentlich gesetzlich verpflichtet sind, nicht mehr nachkommen können".
Für Albig sind "Bundesländer eigentlich überflüssig": Ohne sie könnten die Kommunen mit dem Bund deutlich besser für Bildung und Betreuung, Daseinsvorsorge und Verkehr usw. sorgen. Der OB weiß, dass das "nicht von heute auf morgen umzusetzen is"t. Aber angesichts der Finanznot aller Beteiligten müsse "jeder von seiner Macht abgeben, jeder muss sich bewegen".
Allerdings nannte inzwischen der Präsident des Bremer Senats und amtierende Bundesratspräsident Jens Böhrnsen die These seine Parteifreunds Albig von der Überflüssigkeit der Länder "grundfalsch".