Am Sonntag war das Maß voll: Nur wenige Stunden nach Erscheinen des sechsseitigen SPIEGEL-Artikels, der den 61-jährigen Kölner OB Fritz Schramma gespickt mit vielen Beispielen als "Inbegriff der Kölschen Verantwortungslosigkeit" und "Prinz Karneval der Stadtpolitik" attackierte und nachdem Kanzlernachfahre Konrad Adenauer, 64, öffentlich Interesse an der Kandidatur bekundete, gab der CDU-OB auf: In einer Pressekonferenz verlas er eine Erklärung, wonach er - "um das Unglück am Waidmarkt aus dem Wahlkampf herauszuhalten" (!) darauf verzichte, bei den Kommunalwahlen am 30. August erneut anzutreten.
Dabei hatte es im Vorfeld öffentlichen, parteipolitischen und innerparteilichen Druck gegeben: Einmal ergab eine Umfrage des Instituts "Omniquest" für den Kölner Stadt-Anzeiger vom 29. März, dass der seit 1999 amtierende Schramma nur noch 37 Prozent, sein SPD-Herausforderer Jürgen Roters aber 50 Prozent erhielte. Bei den Parteien lagen die im Rat dominierenden SPD und Grünen bei 54,7 Prozent, die vielfach als "heillos zerstritten" beschriebene CDU (so FAZ und SZ) bei 26,1 Prozent. Auch der Rückhalt der Kölner CDU-Parteifreunde schwand zusehends angesichts des chaotischen Krisenmanagements des OB, der laut "SZ" regierte "nach den Gesetzen des kölschen Grundgesetzes: Et hätt noch immer jot jejange." Und: "Watt fott es es fott."
Nun ist das Stadtarchiv fott und inzwischen weiß man, dass Schramma den Vertrag mit unterschrieben hat, mit dem die Bauherrenschaft aus Spargründen von der Stadt auf deren Tochter Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) übertragen worden war. Daher hätte er auch Zugang zu den Prüfprotokolen gehabt, forderte diese aber Wochen zu spät an. Das CDU-Baudezernent Bernd Streitberger wichtige Fakten verschwieg und er ihn mit einem Disziplinarverfahren überzog, wurde nur noch als Bauernopfer gewertet.
Nun ist guter Rat teuer für die Kölner und NRW-CDU. Dies weiß auch Jürgen Rüttgers und zog nach übereinstimmenden Medienberichten "im Hintergund des überfällig Schramma-Rückzugs die Fäden" (SZ). Während dieser bei seiner Abschiedspressekonferenz noch eine öffentliche Hetzjag gegen sich beklagte, soll Landesvater Rüttgers bei einem weiteren zugkräftigen Kölner Namen fündig geworden sein: Der Notar Konrad Adenauer, 64, und sein Vetter Paul Bauwens-Adenauer, 55, ein Architekt, gelten als aussichtsreiche Aspiranten für eine OB-Kandidatur. Des Kanzlers Namensvetter Konrad signalisierte bereits dem SPIEGEL, er würde sich die besten Leute holen. Das hatte er schon im Umgang mit CDU-MdB-Kandidat Blum bewiesen: Laut "SZ" warb er 2005 für die SPD-Kandidatin in seinem Wahlkreis, um Blum zu verhindern. Dabei bewies Adenauer eine gute Nase: Blum musste inzwischen von seiner Kandidatur zurücktreten, weil er von der Sparkasse KölnBonn ohne erkennbare Gegenleistung rd. 900 000 Euro Honorar erhalten hatte.
Quellen: Kölner Stadt-Anzeiger vom 28. März, Der SPIEGEL vom 29. März, FAZ, FR, SZ, Stuttgarter Zeitung, die taz, WAZ vom 30. März 2009