Demnach befürworten 59 Prozent der Befragten eine Versorgung mit Energie und Wasser sowie die Müllentsorgung und den Betrieb des ÖPNV durch öffentliche Unternehmen. Lediglich 20 Prozent sprachen sich dafür aus, dass private diese Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge übernehmen. „Die kommunalen Unternehmen genießen ein sehr großes Vertrauen in der Bevölkerung“, sagte Herbert Müller, Geschäftsführer von dimap consult, das für die Erhebung 1003 Haushalte repräsentativ befragt hatte – vor Beginn der Finanzkrise, wie Müller betonte.
Besonders hoch sei die Zustimmung bei den Jungen: 77 Prozent der 18- bis 24-Jährigen sprächen sich für eine öffentliche Versorgung aus. Der Hauptunterschied zu privaten Unternehmen wird in der Gemeinwohlorientierung gesehen. Die privaten strebten nach Meinung der Befragten dagegen vor allem nach Gewinn. Doch die Anforderungen an die kommunale Wirtschaft sind hoch. So erwarteten die Befragten eine Förderung der Region, Versorgungssicherheit, umweltbewusstes Verhalten sowie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. „Dafür sind die Verbraucher allerdings auch bereit, ein paar Cent mehr zu bezahlen“; so Müller.
kommunale Gefühle
„Die Bürger bringen per se dem starken Staat eine eine Präferenz entgegen“, bestätigte Ludwig Theuvsen die Ergebnisse der Studie. Er ist Professor für Agrarökonomie an der Universität Göttingen. Auch der internationale Vergleich zeige: Nach Meinung der Bürger sollten wichtige Infrastrukturleistungen in öffentlicher Hand sein. „Dies trifft besonders bei hoheitlichen Aufgaben mit hohem Vertrauenswert zu“, so Theuvsen.
So eindeutig das Ergebnis auch sein mag, die Gründe, das Öffentliche dem Privaten vorzuziehen sind vielfältig. „Einen dominierenden Faktor gibt es nicht“, ist der Ökonom überzeugt. Als wichtig sieht er jedoch das Vertrauen der Bürger in die sie versorgenden Institutionen an. „Die Einstellungen zur öffentlichen Wirtschaft haben auch etwas mit Gefühlen zu tun.“ Hier könnten die Kommunen ansetzen und – etwa mit einem Tag der offenen Tür – Nähe zum Bürger schaffen. „Die öffentliche Wirtschaft muss am öffentlichen Diskurs teilnehmen – gerade in diesen schwierigen Zeiten.“