Die Folgen der Finanzkrise sind jetzt auch in vielen Kommunen zu spüren. Gerade im Westen und Südwesten der Republik müssen jetzt viele Städte und Kreise mit Verlusten in Millionenhöhe rechnen. So hat z.B Freiburg noch eine Woche vor der Pleite an Lehman Brothers 20 Millionen Euro überwiesen. Insgesamt hat die Dreisam-Stadt 47,3 Millionen Euro für eine Dauer von ein bis drei Monate angelegt. Geld, das jetzt blockiert ist, von dem die Stadtväter aber hoffen, dass sie es, wenn auch ohne Zinsen, zurückbekommen.
Auch Karlsruhe hat bei Lehman Brothers kurzfristig zehn Millionen Euro angelegt, auch hier hofft man, mit nur einem blauen Auge aus der Sache herauszukommen. In Ulm klagt die Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS) gegen die Deutsche Bank wegen erwarteter Millionenverluste aus sog. Spread-Ledder-Swaps, einer „Wette“ auf die Entwicklung kurz- und langfristiger Zinsen. Aktuell hat die UWS schon 800 000 Euro verloren, der Vertrag läuft noch weitere fünf Jahre.
Verluste anderer Art erwarten viele Kommunen, die gerade in den 1990er-Jahren Cross-Border-Leasing-Geschäfte (CBL) abgeschlossen haben, oftmals mit der jetzt gerade durch einen 85-Milliarden-Dollar-Kredit vor der Insolvenz geretteten American International Group (AIG), dem weltweit drittgrößten Versicherungskonzern. Die Kommunen nutzten das einmal als Allheilmittel gepriesene Konstrukt, bei dem kommunales Eigentum wie z.B. Stadtwerke oder Teile derselben für einen Zeitraum von 30 bis 99 Jahren an einen US-Investor verkauft und gleich wieder zurückgemietet wurden, dafür, um mit den durch dieses Geschäft zustande gekommen Gewinnen und Einsparungen ihre Haushalte (teil-) zu sanieren. Der US-Investor bekam durch diese weltweite Investition Steuervorteile in den USA gutgeschrieben. Seit 2005 sind diese Geschäfte in den USA verboten.
Da die Gewinne aus CBL immer an das Rating des Leasingpartners gebunden sind und dieses auch bei AIG gesunken ist, gehen die Kämmerer der Kommunen mit CBL-Geschäften (u.a. Wuppertal, Gelsenkirchen und Bochum) davon aus, dass mindestens 10 bis 20 Prozent aus den Gewinnen und Kosteneinsparungen durch CBL-Verträge drauf gehen, wenn sie z.B. den Versicherer wechseln müssen. Sollten die Verluste noch stärker ausfallen, dürften sich die Bürger bald wieder über höhere Preise für Gas, Wasser, Strom und Ähnliches aufregen.