Der Rücktritt des schleswig-holsteinischen Wirtschafts- und Wissenschaftsministers Werner Marnette (CDU) am 28. März hat die Landesregierung in eine schwere Krise gestürzt. Seinen Rücktritt begründete Marnette damit, dass sie unprofessionell sei, nachlässig, schlecht im Krisenmanagement und damit schädlich für das Land. Gemeint war der Umgang mit der in die Krise geratenen HSH Nordbank, die zu je 30 Prozent den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein, zu knapp 15 den Sparkassen und zu 25 Prozent dem privaten Finanzinvestor J.C. Flowers gehört. Die Bank hat im vergannenen Jahr einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro angehäuft.
Die Kabinette Länder entschließen diese Woche, ob es bei dem Plan bleibt, zu gleichen Teilen drei Milliarden Euro Kapital zuzuschießen und eine Bürgschaft von zehn Milliarden Euro zu geben, wodurch besonders Schleswig-Holstein nah an einen Bankrott gerät. Trotdem gelten die Zustimmungen als sicher, während die Opposition davon ausgeht, dass das Geld nicht reichen wird. Nötig wird der Ländereingriff, da der Bund eine Finanzierung wegen des Fehlens eines tragfähigen Sanierungskonzepts für die HSH Nordbank verweigert hatte.
Marnette warf der Bankenführung vor, dass die Lage der HSH Nordbank zu lange schöngeredet worden sei. Der Landesregierung, insbesondere Finanzminister Rainer Wiegard (CDU), warf er vor, ihn (Marnette) über die wahre Lage der Bank getäuscht zu haben. Durch den Rücktritt von Marnette haben auch die Überlegungen neue Nahrung erhalten, die Landtagswahlen 2010 vorzuziehen.
Nachfolger Marnettes wurde der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Kiel, Jörn Biel.