Weil zwei Geschäftsführer der Leipziger Wasserwerke sich bei Finanzwetten verzockt haben, muss die Stadt als Bürgin in den nächsten Jahren für 290 Millionen Euro Verlust aufkommen. 2006 hatten die beiden im Zuge eines Cross-Border-Leasing-Geschäfts (CBL) für die Absicherung eines CBL-Depots eine Kreditausfallversicherung mit der Schweizer Großbank UBS abgeschlossen. Für die erforderliche Prämienfinanzierung über zehn Millionen Euro trat die KWL selbst als Kreditversicherer für die UBS an. Dabei sollen die versicherten Risiken in keinem Verhältnis zu den eigenen Einlagen gestanden haben.
"Gekauft haben sie eine Kreditversicherung für ein Eigenheim, gegeben haben sie Kreditversicherungen für einen Wolkenkratzer, der auch noch im Erdebebengebiet steht", beschreibt OB Burkhard Jung die Vorgänge. Die Stadtspitze erfuhr erst am 10. Dezember 2009 von dem auf sie zukommenden Schuldenberg durch eine Mail, in der von 20 Millionen Euro Fälligkeiten die Rede war. Die beiden Beschuldigten waren zwei Tage vor Heiligabend beurlaubt worden.
Wie eine Wette zwischen Versicherer und Versichertem
Die Transaktionen, die wie eine Wette zwischen Versicherer und Versichertem sind, erfolgten nach aktuellen Informationen außerhalb der Bücher und am Aufsichtsrat vorbei und wurden in London besiegelt. Da die KWL nur ein Eigenkapital von 220 Millionen Euro hat, konnte sie gar nicht für die Risiken von 290 Millionen Euro haften. Die UBS hatte in die geschnürten Papiere wohl besonders wertlose toxische Papiere gepackt.
Zwar will die Stadt klagen, Experten gehen jedoch davon aus, dass die bis 2017 laufenden Verträge von Leipzig erfüllt werden müssen. Mit ersten Forderungen in Höhe von 61 Millionen Euro wird schon in den nächsten Wochen gerechnet.