Bei den Kommunalwahlen in sieben Bundesländern gabe es recht unterschiedliche Ergebnisse, aber insgesamt konnte die Union ihre Spitzenposition trotz Verlusten halten, die SPD schnitt unterschiedlich ab, FDP, Grüne und Linke legten überwiegend zu. Vor allem in Großstädten gaben die beiden Volksparteien deutlich ab, so wurden die Grünen in der Landeshauptstadt Stuttgart mit gut 27 Prozent stärkste Partei. Die CDU fiel um 6,4 auf 26,5 Prozent, die SPD um 7,3 Prozent auf 1,5 Prozent ab. Damit erhielten die beiden Befürworter des unterirdischen Bahnhofsprojekts "Stuttgart21" offenbar eine Klatsche vom Wähler. "Das Ergebnis ist schwer zu ertragen", bekannte SPD-Fraktionschef Manfred Kanzleiter. In Mannheim dagegen wurde die SPD mit 32,5 Prozent wieder stärkste Partei, während die zerstrittene CDU rd. 10 Prozent verlor und bei 27,5 Prozent landete. Die Grünen erreichten 16, die Linke 4,5 Prozent. In Pforzheim lag SPD-Kandidat Gert Hager mit 44 zu 40 Prozent vor FDP-OB Christel Augenstein (2. Runde am 28. Juni).
In Rheinland-Pfalz erregte vor allem der Triumpf der Grünen in der Landeshauptstadt Mainz Aufsehen, Sie hatten hier gegen ein von der SPD gepushtes Kohlekraftwerk gekämpft, Tage vor der Wahl wurde außerdem bekannt, dass in der SPD-regierten Stadt die Wohnbau mit 800 Millionen Euro Schulden praktisch pleite ist. Ergebnis: Die SPD verlor 5,3 Prozent und fiel auf 23,5, die CDU um 5,5 auf 32,5 Prozent, die Reps um 4,8 auf 2,5 Prozent (und sind daraußen). Die Grünen wurden mit 7,7 Prozent mehr und insgesamt 22 Prozent knapp hinter der SPD drittstärkste Kraft im "goldische Meenz". In Städten und Kreisen setzten sich i.d.R. die Amtsinhaber durch: In Ludwigshafen verteidigte OB Eva Lohse (CDU) ihr Amt auf Anhieb mit 53,7 Prozent, in Neustadt/Weinstrasse Hans Georg Löffler (CDU) mit 52,3 Prozent, im Landkreis Bad Dürkheim siegte SGK-Bundesvize Sabine Röhl mit 56,4 Prozent, Beate Läsch-Weber (CDU) in Bernkastell-Wittlich mit 82,2 Prozent, in Bitburg-Prüm siegte der parteilose Joachim Streit mit 74,6 Prozent über den CDU-Kandidaten, im Donnersbergkreis blieb Winfried Werner (SPD), in Germersheim Fritz Brechtel (CDU) Landrat, in Kaiserslautern folgt Paul Junker (CDU) auf Rolf Künne (SPD), in Kusel bleibt Winfried Hirschberger (SPD), in Neuwied Rainer Kaul (SPD im Amt. Im Rhein-Pfalz-Kreis streiten SPD- und CDU-Kandidat am 21. Juni um Werner Schröters (SPD) Nachfolge, in der Südwestpfalz triumphierte Hans-Jörg Duppre (CDU), Präsident des Deutschen Landkreistages, mit 78 Prozent, im Westerwald setzte sich Achim Schwickert (CDU) klar mit über 60 Prozent durch.
An der Saar freute sich Heiko Maas über die "Kommunalwahl als Meilenstein zum Regierungswechsel": Bei den Wahlen zum Regionalverband Saarbrücken liegt SPD-Kandidat Peter Grillo mit 35 zu 31 Prozent vor Rainer Grün (CDU), 2. Wahlgang am 21. Juni. In Neunkirchen siegte Jürgen Fried (SPD) mit 64,1 Prozent und folgt "Fritz" Decker als OB. Außerdem gewann die SPD Direktwahlen in Rehlingen-Siersburg, Namborn, Schmelz und Riegelsberg (Maas: "5 zu 1 für die SPD"). In Nonnweiler-Kastell wurde DEMO-Mitarbeiter und Landtagskandidat Dr. Magnus Jung Ortsbürgermeister, die Ratsmehrheit drehte wieder zur SPD. Insgesamt erzielte die SPD bei den Gemeinden 33,5 Prozent (-3,8%) und rückte der CDU, die rd. 8,5 Prozent verlor (noch 37,3 Prozent) nahe. In den Kreistagen holte die SPD 32 statt 36, die CDU verlor über 10 Prozent der Stimmen. Die Grünen erhielten in Gemeinden 5,9, in Kreisen 6,5 Prozent, die FDP 6,3 und 7,2 Prozent, die Linke auf Anhieb 10,7 in Kreisen 12,9 Prozent. Damit ist die Hoffnung der CDU, die Landtagswahl am 30. August diesen Jahres wieder zu gewinnen, erheblich gedämpft worden.
In Schleswig-Holstein dagegen verlor die SPD die Stadt Neumünster: Nachdem Hartmut Unterlehberg nicht mehr antrat, scheiterte Günter Humpe-Wassmuth (beide SPD) mit 40 zu 59 Prozent an Dr. Olaf Tauras, dem parteilosen Kandidaten von FDP, CDU und Grünen.
In Hessen gab es bei Direktwahlen Licht und Schatten: in Wetzlar blieb Wolfram Dette (FDP) mit 65,5 zu 34,5 Prozent von Manfred Wagner (SPD) OB. In Gießen dagegen konnte Dietlind Grabe-Bolz (SPD) mit 55,5 zu 44,5 Prozent den unpopulären CDU-Amtsinhaber Heinz-Peter Haumann schlagen. Matthias Wilkes (CDU) blieb mit 57,5 Prozent an der Bergstraße Landrat, im Landkreis Gießen siegte Anita Schneider (SPD) mit 54,9 Prozent und wird Willi Marx als Landrätin folgen. SPD-Generalsekretär Michael Roth sah weitere "große Lichtblicke" in den Direktwahlerfolgen von Matthias Baaß in Viernheim, Hans-Georg Brum in Oberursel, Stefan Bechtold in Fernwald, Thomas Brunner in Wettenberg und Günter Jung in Wabern.
In Sachsen-Anhalt wurde die SPD in der Landeshauptstadt Magdeburg knapp stärkste Partei ( SPD, CDU und Linke alle bei rd. 23 Prozent), in Halle legte die SPD knapp zu (von 17,9 auf 19,2), die CDU blieb bei 24 Prozent, die Linke sank leicht von 25 auf 24,3 Prozent. In den beiden Altmarktkreisen feierte die CDU trotz Verluste mit 39 und 37 Prozent jeweils klare Erfole gegenüber SPD (22 und 18) und Linker (18 und 23).
In Sachsen werden die Ergebnisse erst im Laufe des Montags erwartet, in Leipzig lagen Linke und CDU bei den Europawahlen mit 24 und 22 Prozent Kopf an Kopf.
Schließlich konnte sich die CDU in Mecklenburg-Vorpommern trotz starker Verluste (7% v.a. in Rostock und Schwerin) klar als stärkste Kraft behaupten: 31,8%. Die Linke gewann leicht (1,4%) hinzu und kam auf 21,6 Prozent, die SPD blieb mit 19,3 (+02%) fast konstant und gewann v.a. in Schwerin. Die Grünen stiegen um 1,9 auf 5 Prozent, die FDP um 2,6 auf 8 Prozent. die Freien Wähler nahmen um 1,4 auf 10,4 Prozent ab. Die NPD konnte - wo sie antrat - ihre Position überall deutlich verbessern und kam landesweit auf 3,2 (+2,4) Prozent. Im Müritzkreis blieb Bettina Paetsch (CDU) mit 64 Prozent Landrätin, in Mecklenburg-Strelitz stechen Heiko Kärger (CDU, 39%) und Arnold Krüger (Linke, 31%) am 21. Juni den Landrat aus.