In einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung erklärte OB Weil, direkt gewählte Kommunalpolitiker/innen benötigten eine ausreichend starke demokratische Legitimation. Angesichts der geringen Wahlbeteiligung sorge nur die Stichwahl dafür, dass der Kandidat wenigstens mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen gewählt wird.
Niedersachsens JU-Vorsitzender Sebastian Lechner hält Stichwahlen dagegen für "demokratiefeindlich, da nur eine Minderheit im zweiten Wahlgang entscheidet." Die Lehre daraus, so DEMO-Herausgeber Stefan Weil, sei nicht die Abschaffung, sondern das Ernst nehmen der Stichwahl: Im anderen Fall würde womöglich ein Bewerber "auf der Grundlage einer sehr geringen Wahlbeteiligung" gewählt und das wäre "eine sehr schwache Basis für ein Amt, das mit großer Machtfülle ausgestattet ist."
Hoffen auf höhere Wahlbeteiligung
Weil sieht die Position der Amtschefs bereits durch die auf acht Jahre verlängerte Amtszeit als zu stark an und plädiert für eine Rückkehr auf fünf Jahre wie zu SPD-Zeiten. Dann würden auch Stadt- oder Kreistage wieder mit den Amtsinhabern zusammen gewählt, was der Wahlbeteiligung sicher nutzen würde. In Hannover entstehe 2011 die Situation, so Weil weiter, dass der Rat, aber nicht der OB gewählt, was die Beteiligung nicht verbessern werde.
Weil will bei SPD und Regierung für den Erhalt der Stichwahlen werben. Ein Sprecher von Innenminister Uwe Schünemann (CDU) gab sich überzeugt, dass die Kommunalrechtsnovelle durch den Verzicht auf dem Stichwahltermin Kosten spare, zu einer höheren Wahlbeteiligung führe und entsprechend umgesetzt werden könne. Dagegen kritisierte der innenpolitische Sprecher der Grünen, Ralf Briese, das Vorhaben als "eine böse Attacke gegen die Demokratie": Schünemann wolle, "dass die kleineren Mitbewerber im ersten Wahlgang ausgeknockt werden."