Der Parteiwechsler wird hierzulande nicht geliebt. Zumal wenn er sich als ehemaliger Bundespolitiker in der Provinz versucht. Diese alte Wahrheit musste am Sonntag auch der langjährige grüne Bundespolitiker Oswald Metzger erfahren. Der 55-jährige CDU-Neuling aus Bad Schussenried war als finanzpolitischer Sprecher der Grünen von 1994 bis 2002 einer der gefragtesten Talkshowgäste und Kronzeuge für fast alle neoliberalen Reformen, die er und seine Grünen mitgemacht hatten. 2008 überwarf er sich mit den Grünen und wechselte zur CDU. Dann begann sein Abstieg: Die Finanzkrise entzog seinen Argumenten den Boden, der rasche Wechsel zur CDU machte ihn der oberschwäbischen Unionsbasis nicht auf Anhieb sympathisch.
Knapp vorbei ist auch daneben
Vielen vermittelte der Medienliebling Metzger den Eindruck, es gehe ihm v.a. darum, wieder eine wichtige Rolle zu spielen. So kandidierte er schon im Bundestagswahljahr 2009 in den Wahlkreisen Biberach und Bodensee um die Nominierung als CDU-MdB, unterlag aber jedes Mal lokalen CDU-Größen. In Ravensburg trat er nun erstmals als OB an und holte im ersten Wahlgang fast 30 Prozent, allerdings lag der 37-jährige Sigmaringer Bürgermeister Daniel Rapp mit über 45 Prozent weit vor ihm. Metzger stieg in den zweiten Wahlgang ein und verlor erneut: Mit 46,9 zu 51,8 Prozent unterlag er durchaus knapp dem Juristen Rapp, den die Ravensburger CDU laut spiegel onlne wegen dessen Verwaltungserfahrung bevorzugte. Sieger und Verlierer waren - obwohl beide in der CDU - übrigens als unabhängige Kandidaten angetreten. Die Wahlbeteiligung lag bei immerhin fast 50 Prozent, Rapp folgt am 1. Oktober als neuer OB dem CDU-Amtsinhaber Hermann Vogler, der mit 65 Jahren altersbedingt ausscheidet.
Metzger erklärte, er müsse nicht in Sack und Asche gehen und sei "nicht zu alt, um zu neuen Ufern aufzubrechen", aber Konkretes nannte er nicht. Spötter verwiesen darauf, dass Rapp Metzger den Bürgermeisterposten in Sigmaringen frei mache. Das selbst ernannte politische Stehaufmännchen steht nun vor dem Ende seiner Karriere und wendet sich notgedrungen seiner publizistischen Tätigkeit zu. Metzger belegt ein weiteres Mal, das der Weg von Grün nach Schwarz zwar kurz, aber auch sehr steinig sein kann.