Nach dem Gerangel mit der Finanzlobby beschließt das Bundeskabinett heute eine Bankenabgabe von 1,2 Milliarden Euro, die der Opposition zu niedrig scheint. Insbesondere öffentliche Banken kommen dabei günstig weg. Dabei hatten die Sparkassen energisch darauf hingewiesen, dass sie statt Derivatgeschäften v.a. Mittelstandskredite ausgereicht hätten. Die Bilanzen des Geschäftsjahrs 2009, die auch die öffentlichen Banken dieser Tage vorlegen, zeichnen dabei ein sehr differenziertes Bild: Während die meisten Landesbanken unter ihren Spekulationsverlsuten leiden und weiter dreistellige Millionen- oder gar Milliardenverluste ausweisen, können viele Sparkassen stolz auf ihr bestes Geschäftsjahr verweisen.
Landesbanken mit hohen Verlusten und massivem Personalabbau
Bei den Landesbanken ist die BayernLB Negativspitzenreiter: Mit 2,6 Milliarden Euro Minus bezahlt sie v.a. den Fehlkauf der Hypo Alpe Adria, der sie insgesamt rd. 2,8 Milliarden Euro gekostet hat. Interimsgeschäftsführer Stefan Ermisch verbreitet indes Optimismus: Weitere Landeshilfen brauche die Bank nicht, man habe die Zahl der Mitarbeiter bereits um 40 Prozent auf 11 829 reduziert und 2010 gebe es wieder schwarze Zahlen. Ähnlich die Lage bei der LBBW, deren Vorstandschef Hans-Jörg Vetter einen Fehlbetrag von 1,482 Milliarden Euro verkünden musste. Ein Sparprogramm soll jährlich 700 Millionen Euro Kosten senken, 1 500 der 13 600 Mitarbeiter müssen gehen. Für 2010 hofft Vetter vorsichtig auf "ein besseres Ergebnis". Die WestLB weist für 2009 "nur" 531 Millionen Euro Verlust aus. Die Bilanzsumme, so WestLB-Chef Dietrich Vorländer, werde – wie von der EU verlangt – bis 31. März 2011 auf 125 Milliarden Euro abgesenkt (2008: 285 Milliarden), die Zahl der Mitarbeiter werde um 1 300 verringert. Der von der EU geforderte Verkauf der Kernbank stockt, Vorländer wirbt für eine Fusion mit anderen Landesbanken, aber welche Landesbank hat dafür Geld – die HSH Nordbank wies gerade 631 Millionen Euro Defizit aus?
Sparkassen vermelden Rekordergebnisse und -ausschüttungen
Die Landesbank Berlin, die inzwischen den Sparkassen gehört, hat ihre Sanierung dagegen hinter sich. Die LBB konnte daher für 2009 auch 339 Millionen Euro Gewinn verkünden (2008: 9 Millionen). Sie arbeitet v.a. mitz Sparkassen zusammen, z.Zt. mit bundesweit 344, und hat während der Finanzkrise rd. 27 000 Privatkunden von den privaten Banken gewonnen. Vorstandschef Johannes Evers rechnet mit steigenden Gewinnen für 2010, die Mitarbeiterzahl soll konstant bleiben. Die Sparkassen kassieren für 2009 eine Ausschüttung von 140 Millionen Gewinn. Auch Münchens Stadtsparkasse schüttete aus: Die Stadt München als Eigentümerin erhielt sechs Millionen Euro (2008: drei Millionen). Insgesamt hatte die Stadtsparkasse 2009 132,9 Millionen Euro Gewinn vor Steuern gemacht (2008: 104), obwohl sie wegen ihrer Beteiligung an der BayernLB knapp 30 Millionen Euro Verluste auffangen musste. Für Münchens OB Christian Ude eine klare Sache: "Die rote Bank schreibt schwarze Zahlen, bei der Landesbank ist es umgekehrt." Auch die drittgrößte deutsche Sparkasse, die Kreissparkasse Köln, steigerte 2009 ihr Ergebnis um acht Prozent auf 189,8 Millionen Euro. Die Kreissparkasse legte v.a. bei Unternehmenskrediten klar zu und registrierte 30 000 neue Privatkunden. Die Zahl der Mitarbeiter sank leicht von 3 812 auf 3 791. Vorstandschef Alexander Wüerst sprach von einem "sehr ordentlichen Geschäftsjahr": Der Gewinn vor Steuern betrug 44 Millionen Euro.