Der Stadtwerkeverbund "8KU" der großen Stadtwerke wie Mainova (Frankfurt), Rhein-Energie (Köln) und HSE (Darmstadt) warnt vor einer Verlängerung der Laufzeiten für AKW, "weil sie die Marktmacht der vier großen Stromkonzerne zementiert." Albert Filbert, Vorstandschef der Darmstädter HSE und Koordinator der Gruppe, fordert dass entstehende Zusatzgewinne voll abgeschöpft werden, damit die großen Vier keine Wettbewerbsvorteile erhalten. Der billige Atomstrom, warnt Filbert, mache Investitionen in Erneuerbare Energien und effiziente Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen unrentabel.
Das Aufkommen der von Schwarz-Gelb geplanten Brennelementesteuer von 2,3 Milliarden Euro, so Filbert weiter, reiche nicht aus, um fairen Wettbewerb herzustellen. Dazu müssten weitere drei Milliarden Euro direkt in Ökokraftwerke gehen. CDU-Bundesumweltminister Norbert Röttgen und FDP-Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle streiten öffentlich über die Verlängerung: Während es laut Röttgen u.U. beim alten Ausstiegsfahrplan bleiben könne, sprach sich Brüderle für eine Verlängerung um 15 bis 20 Jahre aus.
Röttgens Plan einer vollständigen erneuerbaren Energieversorgung bis 2050 wird nun vom Umweltbundesamt gestützt: In einer Studie zeigt es auf, dass eine 100-prozentige Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien technisch machbar ist. Dabei liefern Offshore-Windparks, Windräder an Land und Solaranlagen die Hauptenergiemenge. Gegen die Schwankungen bei Wind- und Sonnenenergie empiehlt die Studie den Bau zusätzlicher Speicher, die überschüssigen Strom in Methan oder Wasserstoff umwandeln und einlagern. Zu Laufzeitverlängerungen bei AKW sagt UBA-Chef Jochen Flassbarth, es sei nicht ausgeschlossen, dass das 100-Prozent-Ziel trotzdem erreichbar sei. "Aber förderlich wären sie nicht."