Nach monatelangen Verhandlungen einigte sich Eon gestern mit dem Stadtwerkebündnis auf den Kaufpreis und die Modalitäten. Demnach übernehmen die Regionalversorger Mainova aus Frankfurt, die Stadtwerke Hannover und die Nürnberger N-Energie jeweils 20,75 Prozent an der Thüga. Dafür zahlen sie jeweils 600 Millionen Euro. Die Gruppe Kom9, bestehend aus 45 kleineren Stadtwerken um den Freiburger Regionalversorger Badenova übernimmt 37,75 Prozent. Die Thüga soll jedoch gemeinsam geführt werden. Die Beteiligten rechnen noch in diesem Jahr mit einem Abschluss des Geschäfts.
Die Thüga zählt zu den großen Energie- und Wasserversorgern in Deutschland. Sie hat sich bei 90 regionalen Unternehmen eingekauft. Rund 20 000 Mitarbeiter beliefern 2,9 Millionen Gas-, 3,5 Millionen Strom- und eine halbe Million Trinkwasserkunden. Die Thüga-Beteiligungen an der Berliner Gasag, der hessischen Heag sowie den Stadtwerken Duisburg und Karlsruhe werden allerdings nicht an das Stadtwerke-Konsortium, sondern getrennt verkauft, da Vorkaufsrechte bestehen.
Weil: „deutscher Energiemarkt steht vor dem Umbruch“
Laut Stephan Weil, Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), steht der deutsche Energiemarkt mit dem Thüga-Verkauf vor einem Umbruch. „Erstmalig entsteht in Deutschland ein kommunaler Energiekonzern.“ „Die neue Eigentümerstruktur der Thüga bietet große Chancen“, kommentierte Holger Krawinkel, Energieexperte vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, das Geschäft.
So könnten die Partner ihre Kräfte beim Energiehandel oder dem Materialeinkauf künftig bündeln und auch kapitalintensive Investitionen – etwa in Kraftwerksbauten oder die Umstellung auf erneuerbare Energien – gemeinsam stemmen. Auch der Aufbau einer eigenständigen Stromerzeugung sei ein Thema, mit dem sich die neue Gruppe beschäftigen werde. Ob dies Einfluss auf den Strompreis haben wird, ist bisher offen.
Für Eon loht sich das Geschäft in jedem Fall. So will der Energieversorger vor allem seinen auf 47 Milliarden Euro angestiegenen Schuldenberg abtragen. Auch einem weiteren Streit mit dem Bundeskartellamt geht das Unternehmen mit dem Thüga-Verkauf aus dem Weg. Die Behörde hatte gefordert, Eon müsse sich von Geschäftsfeldern trennen, da eine Monopolstellung drohe.