„Ich arbeite jetzt rund zwanzig Jahre als Hebamme. Die zusätzliche Ausbildung ist trotzdem sinnvoll: Themen wie Drogenmissbrauch beispielsweise umfassen rechtliche oder psycho-soziale Aspekte, die so nicht zum normalen Berufsalltag gehören. Oder Fragen der interkulturellen Kompetenz. Ich freue mich, wenn es endlich los geht“, versichert Giesela Hilland. – Und im Mai geht es los: In drei Berliner Bezirken werden dann jeweils drei speziell Familienhebammen eingesetzt. Ein Jahr später wird ein vierter Bezirk in das Pilotprojekt einsteigen.
Keine Kontrolle sondern Begleitung
In enger Abstimmung mit Koordinatoren aus den beteiligten Bezirken werden die Familienhebammen eingesetzt. Die Stiftungen „Eine Chance für Kinder“ und „Ein Herz für Kinder“ helfen bei der Gestaltung und Finanzierung. So soll eine Lücke in der sozialen Versorgung gefüllt werden. In Niedersachsen feiert „Eine Chance für Kinder“, ganz zur Freude der Schirmherrin und Bundespräsidentengattin, Bettina Wulff, große Erfolge mit dieser Art von niedrigschwelligen und familiennahen Angeboten.
Gabriele Gallus-Jetter, Direktorin des Jugendamtes Neukölln, schildert ihre Hoffnungen und Erwartungen so: „Wenn jemand von uns an eine Tür klopft, heißt es ganz schnell: ,Da kommt die vom Amt‘ – und die Türe ist wieder zu. Die Hebammen haben damit nicht zu kämpfen. Sie können ihre Versorgung und Unterstützung ungehindert leisten.“ Natürlich sollen die Familienhebammen aber das soziale Umfeld der Neugeborenen genau beobachten und auch bei Problemen helfen können, die nicht primär die klassischen Felder umfasst.
Liebe statt Fernseher
Wie notwendig eine Unterstützung in vielen Fällen ist, lässt sich nicht nur an den traurigen Meldungen von verhungerten oder misshandelten Kindern festmachen. Oft sind es schlicht Überforderungssituationen, die Eltern falsche Entscheidungen treffen lässt: „Ich kenne Fälle, wo sehr junge Mütter einfach Angst haben: Sie wissen nicht, wie sie ihr Baby richtig halten, wissen nicht, wie wichtig es ist, mit dem Säugling zu sprechen oder nutzen den Fernseher als Möglichkeit, um das Kind zu beschäftigen. Hier können wir wirklich helfen. Mütter sind in der Zeit um die Geburt herum sehr empfänglich für Neues. Sie brauchen individuelle Unterstützung, die über die normale Kassenleistung hinaus geht“, zeigt sich die Familienhebamme Giesela Hilland überzeugt.